Die dramatische Geschichte um die gutherzige und willensstarke Maria Larsson, ihre Schwierigkeiten im Zusammenleben mit ihrem Ehemann (einem impulsiven Alkoholiker, Ehebrecher und Schläger) und den vielen Kindern im Schweden am Ende des 19. Jahrhunderts mutet authentisch an und ist ein gefühlvoll erzähltes, auch leicht nostalgisches Arbeiterklassen-Familienepos. Die Leiden einer in einem überholten Rollenbild gefangenen Frau unter einem gewalttätigen Ehemann zu thematisieren ist in der Kunst nicht besonders neu, doch wie sich Maria auch dank der Leidenschaft für Fotografie emanzipiert - auf diese Fotografien bezieht sich auch der Titel Die ewigen Augenblicke der Maria Larsson - und ihren Mann trotz all der Leiden irgendwie weiter liebt, wird in Troells schönem Film sehr gekonnt und leise bewegend inszeniert und vor allem gespielt.
9. Dezember 2010
Maria Larssons eviga ögonblick (Jan Troell) 7,61
Die dramatische Geschichte um die gutherzige und willensstarke Maria Larsson, ihre Schwierigkeiten im Zusammenleben mit ihrem Ehemann (einem impulsiven Alkoholiker, Ehebrecher und Schläger) und den vielen Kindern im Schweden am Ende des 19. Jahrhunderts mutet authentisch an und ist ein gefühlvoll erzähltes, auch leicht nostalgisches Arbeiterklassen-Familienepos. Die Leiden einer in einem überholten Rollenbild gefangenen Frau unter einem gewalttätigen Ehemann zu thematisieren ist in der Kunst nicht besonders neu, doch wie sich Maria auch dank der Leidenschaft für Fotografie emanzipiert - auf diese Fotografien bezieht sich auch der Titel Die ewigen Augenblicke der Maria Larsson - und ihren Mann trotz all der Leiden irgendwie weiter liebt, wird in Troells schönem Film sehr gekonnt und leise bewegend inszeniert und vor allem gespielt.
8. Dezember 2010
Piranha (Alexandre Aja) 3,82
Und gleich der nächste Fisch-Film: Leider ein ziemlich mieser: dumm, dümmlich, klischeehaft. Jerry O'Connell nervt unglaublich, seine Szenen als koksender, kotzbrockiger Sexclip-Regisseur haben dabei aber keinerlei kritisch-satirische Qualität, ebenso die endlosen Spring Break-Szenen, flache Macho-Witzchen und was hier sonst noch so alles an (männlich-)Gröbstgeistigem anfällt.
Aber, immerhin gibt es hier ein aber: Alexandre Aja ist nämlich, obgleich er für seine Karriere bislang noch keinen Originalitätspreis gewinnen kann, ein sehr fähiger Regisseur und sein Film ist deswegen hin und wieder trotzdem ein Erlebnis, vor allem in der zentralen Massenszene, die ein unglaubliches Gore-Feuerwerk abbrennt. Die morbid-makabre Kreativität bei dieser Massenpanik zwischen Wasser, Motorbooten und Plätzen am vermeintlich sicheren Trockenen ist toll; zig ausgemergelte und ausgeweidete Körper füllen plastisch die Leinwand, eine jetzt schon legendäre Sequenz: schauerlich und spaßig zugleich und dabei beeindruckend inszeniert.
Auch weitere Szenen wie jene mit den beiden Meernixen oder dem malträtierten Geschlechtsteil sind köstlich, der Film macht zwischendurch also schon Spaß. Doch gerade am Ende wird es wieder so sagenhaft lächerlich, dass dieser Spaß unnötigerweise verdorben wird. Rund um die angesprochenen Abschnitte hätte mit etwas weniger Primitivität ein gewitzt-blutiger Tierfantasyhorrror entstehen könnnen, es gab ja schon einige (harmlosere) Beispiele von nicht so extrem dümmlichen Filmen dieser Gattung (z.B. Arachnophobia oder auch Arac Attack). Piranha ist aber leider die meiste Zeit so schlecht, dass am Saaleingang nicht abgegebene Gehirne irgendwann beleidigt sind.
7. Dezember 2010
Gake no Ue no Ponyo (Hayao Miyazaki) 8,02
Ponyo - Das große Abenteuer am Meer beginnt gleich wunderschön mit einer Ansammlung von Meerestieren, der Zeichenstil wirkt in weiterer Folge entspannt simplifiziert und detailreich zugleich. Der Film ist im Gegensatz zu einigen Miyazaki-Vorgängern auch durch eine deutlich einfacher gestrickte Handlung charakterisiert, zudem noch kindlicher als die letzten Werke und erinnert mit seinem weitgehend friedlichen Wohlfühlsetting am ehesten noch an die Stimmung aus Mein Nachbar Totoro. Schön ist vor allem, dass das Element Wasser bzw. das Meer einmal die Hauptrolle spielt. Wenn der Meerzauberer den Wind die Wellen zu gigantischen Ausmaßen peitschen lässt, erreicht der Anime seinen Höhepunkt und wenn danach ganze Straßen unter Wasser stehen und von allerlei Meerestier bevölkert werden, ist das meditativ-bezaubernd. Die Haupt-Handlung um die innige Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Fischmädel mit Zauberkräften ist wie gesagt eher einfach, aber es gibt dennoch genügend Überraschungen, sodass der Film nie auch nur annähernd flach wird.
Ponyo auf der Klippe (so wäre die korrekte Übersetzung) ist also ein weiterer fantasievoll-schöner Beitrag zu Miyazakis Gesamtwerk. Er mag kein überbordend komplexes Wunderwerk sein, wie es sie vom Meister schon gab, dennoch gab es heuer kaum einen besseren "Sonntag Nachmittags-Film“ für Alt und Jung.
Ponyo auf der Klippe (so wäre die korrekte Übersetzung) ist also ein weiterer fantasievoll-schöner Beitrag zu Miyazakis Gesamtwerk. Er mag kein überbordend komplexes Wunderwerk sein, wie es sie vom Meister schon gab, dennoch gab es heuer kaum einen besseren "Sonntag Nachmittags-Film“ für Alt und Jung.
6. Dezember 2010
L'avocat de la terreur (Barbet Schroeder) 7,28
Eine sehr aufwendige Dokumentation mit einem Massenaufgebot an (ehemaligen) Kriminellen, Terroristen, Politikern, Experten, Zeitzeugen und natürlich dem Anwalt des Terrors selbst: Jacques Vergès, ein legendärer, undurchsichtiger Anwalt, eine politisch und menschlich ambivalente, selbstherrliche Persönlichkeit.
Der vielseitige Schroeder, der schon früh eine berühmte Dokumentation über General Idi Amin gedreht und danach einige nette Spielfilme (Highlights zwischen 1987 und 1994: Barfly, Single White Female und Kiss of Death) abgeliefert hat, beeindruckt lange mit toller Montage aus rasant geschnittenen Interviews, die mit Archivszenen kombiniert werden. Aber man wird mehr als 2 Stunden ununterbrochen mit Information bombardiert, was auf Dauer selbst für die Hartgesottenen ermüdend sein dürfte. Zudem ist Im Auftrag des Terrors auch bei weitem nicht der erste Spiel- oder Dokufilm über den politischen Terrorismus der 70er. Und schlussendlich kommt auch der charismatische Vergès selbst vergleichsweise gar wenig zu Wort. Ein paar Probleme also eines ansonsten toll aufbereiteten, leicht mühsamen Films.
5. Dezember 2010
Jackass 3D (Jeff Tremaine) 7,46
Die großen, kreativen Ideeen im Jackass-Universum werden langsam spärlich, das für JA ebenfalls neue 3D ist eigentlich völlig für die Würste. Dennoch macht der Film wieder einen Heidenspaß. Vor allem diese pure Kindlichkeit der körperlich längst erwachsenen Jungs bei ihren wilden, blöden, pubertären oder gar beängstigend fahrlässig anmutenden Aktionen wärmt das Herz und foltert das Zwerchfell eines jeden Fans. Die unglaubliche Körperkomik ist auch in der x-ten Auflage noch enorm unterhaltsam und die noch mehr forcierten Genitalgags sowieso das beste.
Am Ende stehen viele Memories, Jackass wird plötzlich sentimental, das ist dann doch neu. Deutet da schon jemand das Ende einer Reihe an? Hoffentlich nicht, dennn was der öde Saw schafft, können die Jackassler doch wohl auch. So mögen Teil 4 und mit etwas Abstand weitere, vielleicht ja dann mit den Namen 5(0+) und 6(0+), gerne wieder das Kino mit Kotze, Schweiß und Freudentränen befüllen.
3. Dezember 2010
In 3 Tagen bist du tot 2 (Andreas Prochaska) 6,30
Das Teen-/Twen-/Zehn Negerlein-Slasher-Thriller-Genre zeichnet sich per se nicht gerade durch viele Höhepunkte aus. Es gibt natürlich einige sehr tolle Filme, der Rest ist meist aber nur gähnend langeweiliges Runterbeten des ewig gleichen blutlüsternen Rosenkranzes. Die österreichische Dialektvariante In 3 Tagen bist du tot wusste durch das spezielle Setting im Salzkammergut und wegen der flotten Inszenierung durchaus zu gefallen, mehr aber auch nicht. Dazu noch einen weiteren Aufguß zu drehen, scheint also erstmal wenig spannend.
Und in Prochaskas Fortsetzung seines eigenen Films tut sich auch vorerst ksum etwas, das dieses Vorurteil widerlegen könnte. Eine gemächliche (Krimi- und) Trauma-Story wird da ausgebreitet, ohne dass Drehbuch oder Schauspieler diese Traumatisierung überzeugend vermitteln können. Die Geschichte ins verschneite Bergland Tirols zu verlegen ist ein netter Einfall, aber abseits dieser Kulisse kann der Film zu lange nichts bieten. Dennoch beeindruckt am Ende der langgezogene „Showdown“ mit blutiger Kompromisslosigkeit und dichter Atmosphäre – in dieser letzten halben Stunde unterhält Prochaska den Zuschauer doch noch gekonnt und sorgt für Intensität. Aber so ähnliche Überlebenskampf-Filme gibt’s halt auch schon wie Sand am Meer, wertvoll ist das auf keiner Ebene und selbst für niedrigere Ansprüche hat der Thriller geasmt gesehen zuviel Leerlauf bzw. erinnert in seinen besten Regie-Momenten an interessantere Genrekollegen, wie etwa Haute Tension. Fazit: Kann man schon mal ansehen, ohne dass es ärgerlich ist, aber auch nur, wenn einem wirklich gar nichts Besseres mehr einfällt.
1. Dezember 2010
Mein halbes Leben (Marko Doringer) 7,35
Ein 30-jähriger in der Krise. Bisher hat er in seinem Leben nichts erreicht, er beschließt einen Film über seine daraus resultierenden Selbstzweifel zu drehen. Mit der Kamera bewaffnet (das Ganze ist konsequent aus einer Art Egoperspektive gefilmt), porträtiert er seine Freunde und Bekannte, die bereits "etwas aus sich gemacht haben", sei es beruflich oder privat oder beides – und immer aber auch thematisiert der Filmemacher sich selbst, seine Gedanken, seine Einschätzungen. Nur wenn er beim Psychologen sitzt, lässt sich Doringer ausnahmsweise von der eigenen Kamera aufnehmen – ein durchaus sympathisches Zeichen.
Die unterhaltsam-nachdenkliche Analyse von Lebensentwürfen ist immer von einer Melancholie, aber auch einer gewissen Süffisanz und Selbstironie durchzogen, zuweilen kann das Jammern der Protagonisten auch etwas nerven. Letztlich ist Doringers Film jedoch ein unterhaltsamer und charmanter Einblick in Lebenseinstellungen einer zwischen modern geprägter Selbstverwirklichung und traditionellen Rollenbildern zerrissenen Generation (und deren Eltern) - bzw. naturgemäß dem Umfeld des Regisseurs entsprechend, sind es hier bloß bestimmte Verteter der gehobenen Mittelschicht.
Die unterhaltsam-nachdenkliche Analyse von Lebensentwürfen ist immer von einer Melancholie, aber auch einer gewissen Süffisanz und Selbstironie durchzogen, zuweilen kann das Jammern der Protagonisten auch etwas nerven. Letztlich ist Doringers Film jedoch ein unterhaltsamer und charmanter Einblick in Lebenseinstellungen einer zwischen modern geprägter Selbstverwirklichung und traditionellen Rollenbildern zerrissenen Generation (und deren Eltern) - bzw. naturgemäß dem Umfeld des Regisseurs entsprechend, sind es hier bloß bestimmte Verteter der gehobenen Mittelschicht.
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