oder der knapp gescheiterte Versuch einer persönlichen All Time Top 10
2001 – A Space Odyssey
Alien
The Holy Mountain
Full Metal Jacket
Import Export
The Silence of the Lambs
The Terminator
Sommer vorm Balkon
Mulholland Dr.
Requiem for a Dream
The Fellowship of the Ring
Songs from the second Floor
&
Six Feet Under
24. Dezember 2010
23. Dezember 2010
Loos Ornamental (Heinz Emigholz) 5,54
Der vor kurzem gesehene Goff in der Wüste von Emigholz war (überraschend) eine nicht durchgehend, aber insgesamt schon beeindruckende Erfahrung (auch dank des feinen Audiokommentars). Emigholz hat danach auch weitere Filme des selben Prinzips gedreht, etwa Schindlers Häuser und hier eben einen über jene von Adolf Loos. Wiederum: „Architektur als Autobiographie“. Dass Loos Ornamental trotz erheblich kürzerer Laufzeit im Vergleich zu Goff wesentlich weniger aufregend und langatmiger ist, könnte vor allem an den gezeigten Bauten liegen, die sich im Vergleich zu den spannenden Goff-Sachen gewöhnlicher darstellen, aber natürlich auch daran, dass die Faszination für einen solch speziellen Film beim zweiten Mal etwas schwindet. Letztlich fallen die Häuser von Loos, mit Ausnahme des am Plakat sichtbaren, aber meistens in die Kategorie: tja, mhmh, usw... Dieses Werk dürfte daher nur Hardcore-Architektophilen Sehvergnügen bereiten.
21. Dezember 2010
Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation 6,43
Ein Live-Blog Versuch
Erster Tag (Angela Schanelec): Ein ganz stiller Auftakt: es scheint so, als wolle Schanelec den Omnibus-Film wie einen Tag (in Deutschland) ruhig erwachen und im Anschluß an ihren Teil erst beginnen lassen und endet mit einem Zitat, dessen Bedeutung auf Anhieb wenig fassbar ist. 5,5
Joshua (Dani Levy): ein weirdes Teil, wie ein Traum: Zunächst die dämliche Frage „Beschreiben Sie Deutschland in einem Satz“ an Passanten; danach der Regisseur bei einem (höchst eigenartigen) Psychiater, der Levy ein Mittel mit einem Wirkstoff namens Paragermanin verschreibt. Nach der Einnahme sind alle auf der Strasse fröhlich, feiern und tanzen (wäre das besser?). Levys Sohn, Joshua, fliegt dann weg und landet auf der Bundeskanzlerin! Das Mittel hat nachgelassen, ernste Polizisten werden gezeigt. Nach der neuerlichen Einnahme des Mittels sind sie locker und dann kommt eine sehr schräge Passage mit Terroristen, die unbehelligt ihre Anschläge planen (was will Levy eigentlich sagen?). Am Ende sitzt Merkel beim Psychiater und es fällt ein logischer Satz. 6,3
Der Name Murat Kurnaz (Fatih Akin): Interview mit einem Ex-Häftling aus Guantanamo, der den heutigen Außenminister Deutschlands anklagt, ihm nicht geholfen zu haben…so lala. 6,5
Die Unvollendete (Nicolette Krebitz): Ein junges Mädchen in einer leerstehenden Wohnung; es betreten ebenfalls: Susan Sontag und Ulrike Meinhof zu einem Blabla Jam mit dem zeitgenössischen, gefühlsgeleiteten, wenig intellektuellen Mädchen. Es geht um Politisches, Soziales, um Frauenthemen und endet mit einem nichtssagenden, eher dämlichen Satz. Schwacher Beitrag 3,6
Schieflage (Sylke Enders): Eine Einrichtung für Kinder von armen/verwahrlosten Eltern, wo sie ein Essen bekommen und nachmittags betreut werden. Der Betreuer wird zu einem TV-Interview gebeten und versucht, argumentativ zu erklären, bevor er zu dem Schluß kommt, dass dies Schwachsinn sei (die Dinge sind doch viel komplexer!) und nur noch einsilbige Antworten gibt. Die Reporterin vermisst danach ihr Portemonnaie, sofort wird der junge Jo, ein „Problemkind“ als Täter ausgemacht und verfolgt. Am Ende hatte die Reporterin das Portemonnaie nur im Auto liegen lassen – eine wenig überzeugende Schlusspointe, auch hinsichtlich ihrer scheinbaren Intention. Ein Kurzfilm mit einem gewissen Gespür für eine soziale Realität und einer tollen Szene, aber letztlich auch gerade wegen des Endes nicht überzeugend. 5,8
Der Weg, den wir nicht zusammen gehen (Dominik Graf & Martin Gressmann):
Ein Essay, zunächst über Architektur, in Form von alten, „abbruchreifen“, verlassenen Häusern in Deutschland, dann wird über den Bau eines neuen Bahnhofs in Berlin versucht die Brücke zur deutschen „Volksseele“ zu schlagen. Das ist teils interessant, teils erhellend, teils auch etwas doof in seiner Argumentation. 6,2
Fraktur (Hans Steinbichler): Satirischer Kommentar zur Abschaffung der Frakturschrift in der FAZ und einem LKW-Logistik-Boss als Stereotyp des reaktionären, kompromisslosen Kulturbewahrers. Naja. 6,25
Eine demokratische Gesprächsrunde zu festgelegten Zeiten (Isabelle Stever): Mulitkulti-Schulklasse hält ein ruhiges Treffen ab: Diskussionskultur wird gezeigt und damit beworben; eine Idealvorstellung, ein schönes Role-model, das aber zugleich recht klinisch wirkt. 6,7
Gefährder (Hans Weingartner): Nach realen Ereignissen wird die Geschichte eines engagierten, linken Professors erzählt, der als „Gefährder“, als eine Person, die dringend verdächtigt wird, terroristisch aktiv zu sein, überwacht und verhaftet wird: das ist scheinbar aber recht einseitig überhöht geschildert, dennoch ein Kommentar zum hochaktuellen Spannungsfeld aus Terroangst und Legitimation eines Überwachungsstaats; damit trifft Weingartner auf jeden Fall den Nerv der Zeit und sein Film scheint noch mit am besten in dieses Projekt zu passen. 7,5
Feierlich reist (Tom Tykwer): Der moderne Businessman, dauernd auf Achse, bzw. im Flieger, Tykwer schneidet schnell und zeigt einen Benno Führmann in Einkaufsstrassen, immer wieder rennt er zum Starbucks, etc. Eine Art oberflächliche Kurzversion von Up in the Air, manche Elemente wie bei American Psycho. Die Schlusspointe: naja. 6,5
Ramses (Romuald Karmakar): ein alter Puffbesitzer plaudert ungeniert aus dem Nähkästchen: fast ein bisschen Seidl-esk, die beste Episode. 8,0
Krankes Haus (Wolfgang Becker): Klinik Deutschland? Patient Deutschland! Aktuelle Probleme werden als Sozialinfarkt bezeichnet, Anträge und Anrufe ignoriert..
Der Versuch einer Gesellschaftssatire: ganz nettes Konzept, wieder nah am „Thema“, vielleicht einen Tick zu platt, aber sehr lebendig und verspielt.
Am Ende stimmen alle in den Massengesang ein, Licht kommt ins Elend (vielleicht haben sie ja auch was vom Paragermanin erwischt). 7,4
Séance (Christoph Hochhäusler):
Hochhäusler erzählt eine Sci-Fi-Geschichte im La Jetée-Stil: intelligent, eigen, herausfordernd, melancholisch. 7,4
Joshua (Dani Levy): ein weirdes Teil, wie ein Traum: Zunächst die dämliche Frage „Beschreiben Sie Deutschland in einem Satz“ an Passanten; danach der Regisseur bei einem (höchst eigenartigen) Psychiater, der Levy ein Mittel mit einem Wirkstoff namens Paragermanin verschreibt. Nach der Einnahme sind alle auf der Strasse fröhlich, feiern und tanzen (wäre das besser?). Levys Sohn, Joshua, fliegt dann weg und landet auf der Bundeskanzlerin! Das Mittel hat nachgelassen, ernste Polizisten werden gezeigt. Nach der neuerlichen Einnahme des Mittels sind sie locker und dann kommt eine sehr schräge Passage mit Terroristen, die unbehelligt ihre Anschläge planen (was will Levy eigentlich sagen?). Am Ende sitzt Merkel beim Psychiater und es fällt ein logischer Satz. 6,3
Der Name Murat Kurnaz (Fatih Akin): Interview mit einem Ex-Häftling aus Guantanamo, der den heutigen Außenminister Deutschlands anklagt, ihm nicht geholfen zu haben…so lala. 6,5
Die Unvollendete (Nicolette Krebitz): Ein junges Mädchen in einer leerstehenden Wohnung; es betreten ebenfalls: Susan Sontag und Ulrike Meinhof zu einem Blabla Jam mit dem zeitgenössischen, gefühlsgeleiteten, wenig intellektuellen Mädchen. Es geht um Politisches, Soziales, um Frauenthemen und endet mit einem nichtssagenden, eher dämlichen Satz. Schwacher Beitrag 3,6
Schieflage (Sylke Enders): Eine Einrichtung für Kinder von armen/verwahrlosten Eltern, wo sie ein Essen bekommen und nachmittags betreut werden. Der Betreuer wird zu einem TV-Interview gebeten und versucht, argumentativ zu erklären, bevor er zu dem Schluß kommt, dass dies Schwachsinn sei (die Dinge sind doch viel komplexer!) und nur noch einsilbige Antworten gibt. Die Reporterin vermisst danach ihr Portemonnaie, sofort wird der junge Jo, ein „Problemkind“ als Täter ausgemacht und verfolgt. Am Ende hatte die Reporterin das Portemonnaie nur im Auto liegen lassen – eine wenig überzeugende Schlusspointe, auch hinsichtlich ihrer scheinbaren Intention. Ein Kurzfilm mit einem gewissen Gespür für eine soziale Realität und einer tollen Szene, aber letztlich auch gerade wegen des Endes nicht überzeugend. 5,8
Der Weg, den wir nicht zusammen gehen (Dominik Graf & Martin Gressmann):
Ein Essay, zunächst über Architektur, in Form von alten, „abbruchreifen“, verlassenen Häusern in Deutschland, dann wird über den Bau eines neuen Bahnhofs in Berlin versucht die Brücke zur deutschen „Volksseele“ zu schlagen. Das ist teils interessant, teils erhellend, teils auch etwas doof in seiner Argumentation. 6,2
Fraktur (Hans Steinbichler): Satirischer Kommentar zur Abschaffung der Frakturschrift in der FAZ und einem LKW-Logistik-Boss als Stereotyp des reaktionären, kompromisslosen Kulturbewahrers. Naja. 6,25
Eine demokratische Gesprächsrunde zu festgelegten Zeiten (Isabelle Stever): Mulitkulti-Schulklasse hält ein ruhiges Treffen ab: Diskussionskultur wird gezeigt und damit beworben; eine Idealvorstellung, ein schönes Role-model, das aber zugleich recht klinisch wirkt. 6,7
Gefährder (Hans Weingartner): Nach realen Ereignissen wird die Geschichte eines engagierten, linken Professors erzählt, der als „Gefährder“, als eine Person, die dringend verdächtigt wird, terroristisch aktiv zu sein, überwacht und verhaftet wird: das ist scheinbar aber recht einseitig überhöht geschildert, dennoch ein Kommentar zum hochaktuellen Spannungsfeld aus Terroangst und Legitimation eines Überwachungsstaats; damit trifft Weingartner auf jeden Fall den Nerv der Zeit und sein Film scheint noch mit am besten in dieses Projekt zu passen. 7,5
Feierlich reist (Tom Tykwer): Der moderne Businessman, dauernd auf Achse, bzw. im Flieger, Tykwer schneidet schnell und zeigt einen Benno Führmann in Einkaufsstrassen, immer wieder rennt er zum Starbucks, etc. Eine Art oberflächliche Kurzversion von Up in the Air, manche Elemente wie bei American Psycho. Die Schlusspointe: naja. 6,5
Ramses (Romuald Karmakar): ein alter Puffbesitzer plaudert ungeniert aus dem Nähkästchen: fast ein bisschen Seidl-esk, die beste Episode. 8,0
Krankes Haus (Wolfgang Becker): Klinik Deutschland? Patient Deutschland! Aktuelle Probleme werden als Sozialinfarkt bezeichnet, Anträge und Anrufe ignoriert..
Der Versuch einer Gesellschaftssatire: ganz nettes Konzept, wieder nah am „Thema“, vielleicht einen Tick zu platt, aber sehr lebendig und verspielt.
Am Ende stimmen alle in den Massengesang ein, Licht kommt ins Elend (vielleicht haben sie ja auch was vom Paragermanin erwischt). 7,4
Séance (Christoph Hochhäusler):
Hochhäusler erzählt eine Sci-Fi-Geschichte im La Jetée-Stil: intelligent, eigen, herausfordernd, melancholisch. 7,4
17. Dezember 2010
Wärst du lieber tot? (Christina Seeland) 8,70
Schwerstbehinderte Menschen. Ein Thema, das für die meisten sicher eines der schwierigsten und unangenehmsten ist, sei es im realen Umgang mit solchen Personen oder wenn es auch nur darum geht, sich einen Film mit ihnen und über sie anzusehen. Auch der Schreiber dieser Zeilen nimmt sich da gar nicht aus. Enorm bewundernswert sind daher andererseits Personen, die es sich gar zur Lebensaufgabe machen (oder zumindest einen gewichtigen Teil ihres Lebens damit verbringen), Behinderte zu pflegen, sich um sie zu kümmern, sich mit ihnen intensiv zu beschäftigen.
Christina Seeland, die diesen wunderbaren Film auf die Beine gestellt hat, hat jahrelang in der Behinderten-Pflege gearbeitet. Diese Erfahrung ist natürlich bei so einem Thema Gold wert, denn so ein warmherziges, cleveres, flottes und unterhaltsames Werk hätte einem in dieser Hinsicht weniger erfahrenen Filmemacher kaum gelingen können.
Sechs auf ganz unterschiedliche Weise schwer beeinträchtigte Menschen spielen die Hauptrolle in dem erstaunlich schwung- und humorvollen, aber natürlich dennoch sehr respektvollen und nichts verharmlosenden oder verniedlichenden Film. Überraschende Ansichten der Porträtierten kommen zutage und es wird Lebensfreude vermittelt. Dass diese positiven Lebenseinstellungen, wie es im Film vielleicht ein bisschen(!) suggeriert wird, natürlich nicht auf der Tagesordnung stehen können, ist klar, doch gerade das Positive an einem derart extrem beeinträchtigten Leben wird ja oft ausgeklammert - ebenso wie das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis Schwerstbehinderter, das von oberflächlichen Medien, aber auch jedem selbst oft gar nicht wahrgenommen wird.
Ob dieses Erkenntnisgewinns und gleichzeitiger Lockerheit ist der dem Titel nach ja eher düster klingende Wärst du lieber tot? ein großartiger, vermutlich vom Thema den Otto-Normal-Unterhaltungs-Gucker erstmal abschreckender, aber sehr schöner Film. Seeland versteht auch einiges davon, mit Musik und Montage zu arbeiten, und es ist schon ein kleines Wunder, einen absolut ernsthaften und authentischen Behindertenfilm zugleich so gewitzt zu gestalten.
16. Dezember 2010
In dir muss brennen (Katharina Pethke) 6,22
Die heutige Gesellschaft ist mehr als früher von Stress und resultierenden Folgen wie Burn-Out geprägt. Ebenso gibt es so viele Motivationscoachings, Seminare, (alternative) Therapien wie nie zuvor. Dabei ist es, für Hilfesuchende ebenso wie für Fachleute, oft schwierig zwischen selbstgefälliger Geldmacherei und sinnvollen Behandlungen unterscheiden zu können (so auch etwa im Falle des oben abgebildeten Trainings). Dieser Dokumentarfilm zeigt einige der leicht schrägen Methoden live und beleuchtet, was durchaus sehenswert ist, die moderne Coaching-Kultur, leider in Summe eher assoziativ-beliebig denn kritisch-analytisch.
14. Dezember 2010
Interludium - Llosa, Nekes, Emigholz
Madeinusa 8,10
Ein Dorf am Ende der Welt - in den peruanischen Anden. Eine verschworene Gemeinschaft mit eigenen Gesetzen. Jeder Besucher ist hier ein Eindringling. Vor allem in der heiligen Zeit, wenn laut den Gläubigen Gott nicht sehen kann, was im Dorf getrieben wird. Der Bürgermeister freut sich deshalb schon, seine Tochter endlich entjungfern zu können. Doch dann kommt dieser Eindringling, ein antireaktionärer Reporter aus der Großstadt und wenig überraschend drängt sich die Liebe in all diese Trostlosigkeit und beschwört Lebensgefahr herauf...
Harter Stoff, filmisch sehr einfühlsam umgesetzt. Eigentlich besser als Llosas Folgewerk, der höher prämierte La Teta asustada. Madeinusa ist einnehmender, dringlicher, spannender.
Johnny Flash 6,45
Helge Schneider ist Johnny Flash, Andreas Kunze sein Manager. Helge Schneider ist Jürgen Potzkothen, Andreas Kunze seine Mutter. So könnte man das scheinbar ewig fortführen, denn beide spielen hier viele Rollen. Oder spielt nur Kunze mehrere, ich weiß es nicht, so schräg gehts hier zu. Vor allem ist Johnny Flash ein Musikfilm, Helge Schneider musiziert. Und alle blödeln. Das ist schon komisch, manchmal sogar höchst delirant inszeniert. Doch so ganz überzeugen kann diese Schrägheit (im Gegensatz zu einigen von Schneiders späteren Filmen) dann nicht, auf Dauer eher etwas anstrengend…
Johnny Flash 6,45
Helge Schneider ist Johnny Flash, Andreas Kunze sein Manager. Helge Schneider ist Jürgen Potzkothen, Andreas Kunze seine Mutter. So könnte man das scheinbar ewig fortführen, denn beide spielen hier viele Rollen. Oder spielt nur Kunze mehrere, ich weiß es nicht, so schräg gehts hier zu. Vor allem ist Johnny Flash ein Musikfilm, Helge Schneider musiziert. Und alle blödeln. Das ist schon komisch, manchmal sogar höchst delirant inszeniert. Doch so ganz überzeugen kann diese Schrägheit (im Gegensatz zu einigen von Schneiders späteren Filmen) dann nicht, auf Dauer eher etwas anstrengend…
Goff in der Wüste 8,08
Heinz Emigholz filmt Architektur. Wie es heißt, ohne Kommentare. Nur Bilder von Häusern. Hier fast 2 Stunden lang. Kann man sich etwas Langweiligeres im Kino/Fernsehen vorstellen? Mit dieser Einstellung aber natürlich dennoch einer Portion Interesse war ich erstmal verwundert, dass Emigholz hier lebhaft über den Architekten Goff und über die Dreharbeiten spricht. Nach einiger Zeit schnalle ich dann, dass 3sat den Film im Zweikanalton mit Audiokommentar ausstrahlt. Und dass Emigholz sagt, wirken sollte man das lieber ohne Kommentar lassen. Hmm. Dabei ist der Film mit dem Kommentar echt spannend. Emigholz ist ein intelligenter, wortgewandter, humorvoller Mensch, dem man gerne zuhört. Und die Infos zu Goff auch höchst interessant. Doch wie ist das nun, ohne die Worte? Tatsächlich gar nicht so langweilig wie befürchtet, eine Sogwirkung stellt sich ein. Der Laie beginnt, Architektur wahrzunehmen. Sicher hat das Längen, aber die Konsequenz gefällt. Emigholz interessiert sich für diesen Goff und er filmt alle seine Bauwerke. Architektur als Autobiographie – ein großartiges Konzept. Eindrucksvolle Gebäude, eindrucksvolle Bilder, eindrucksvolle Art, einen Film zu machen. Auch ohne Worte.
13. Dezember 2010
Frauenzimmer (Saara Aila Waasner) 7,96
Porträt von drei Prostituierten zwischen 49 und 64 Jahren. Hauptsächlich wird das alltägliche, fast bürgerliche Leben der Frauen gezeigt, ihre spezielle Arbeit indessen nur dezent (aber schon eindringlich) angedeutet. Dieses Spannungsfeld zwischen verruchtem Geschäft und ganz normalem Alltag (mit oder ohne Partnerschaft) beleuchtend, gelingt der Regisseurin eine sehenswerte Doku über drei völlig unterschiedliche Frauen, die demselben unkonventionellen, mythenbehafteten Beruf nachgehen. Die Einblicke in die Biographien und Einstellungen und nicht zuletzt in die titelgebenden Lebensräume der Frauen sind (freilich auf die ruhige Art) spannender als viele geschriebene Thriller oder Dramen. Feinfühlig und leise erzählt, aber (nach-)wirkend, auch wegen einem noch nicht ausgelutschten Thema – hier ist alles da, was eine gute Dokumentation über besondere Menschen ausmacht.
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