
Nach dem tollen morbid-kindlichen Barbe Bleue ("Blaubarts jüngste Frau") der nächste Märchenfilm der Spezialistin für weibliche Sexualität. Anders als im sich relativ deutlich an einer Vorlage orientierenden Vorgänger sind es hier Motive aus mehreren Märchen, die in den Film einfliessen, aber auch wiederum sehr stark von Breillats eigenen Ideen durchsetzt und erweitert werden: "Dornröschen", "Die Schneekönigin" und "Alice im Wunderland". Manchmal wirkt die schlafende Schöne etwas spröde und gar billig, manchmal etwas zu grotesk (vor allem in den betont komischen Alice-Momenten), doch wie eigentlich immer bei Breillat sind ihre eigenwillig ausgefallenen bis verstörenden, hintersinnigen Elemente so spannend, dass der Film nicht perfekt inszeniert sein muß, um zu faszinieren.
Beeindruckend ist vor allem, wie es am Ende gelingt, die Schöne und ihren Prinz flüssig, aber fast schon unerhört aus der kindlichen Märchenebene in eine reale, von körperlichem Begehren, Eifersucht und Streit geprägte Teenagerwelt zu versetzen, in der die Sexualität und Beziehungsprobleme plötzlich im Vordergrund stehen und an erwachsenere Werke der deutlich sanfter gewordenen Kinoprovokateurin erinnern. La belle endormie mutet anfangs noch wie eine exzentrische Version eines Film-Märchens aus den 70ern an, in das immer mehr Breillats Interesse für adoleszente Sexualität eindringt und endet schließlich geradezu kurios und abrupt. Darüberhinaus ist es übrigens ein Film, der nach einer tieferen Auseinandersetzung als an dieser Stelle möglich, geradezu schreit, vielleicht ja auch nach einer noch etwas höheren Wertung.