Filme über l‘amour fou sind ja fast immer toll - dieses intensive Drama über ein verzweifelt verliebtes Paar (beide jeweils in einer anderen Beziehung bzw. Ehe) ist geradezu elektrifizierend inszeniert. In diesem wahnwitzigen Sog stolpert und torkelt auch die Kamera ebenso leidenschaftlich vor sich hin wie die Liebenden, die von Valeria Bruni Tedeschi und Yvan Attal herausragend gespielt sind. Immer mehr verlagert sich dann der Fokus auf den männlichen Part, der gefährlich am Grat zwischen Leidenschaft und Wahnsinn dahin wankt. „Von Liebe und Bedauern“: ein fiebriger Film über die absolute Hingabe jenseits jeglicher Vernunft.
21. Dezember 2011
Les Regrets (Cédric Kahn) 8,31
Filme über l‘amour fou sind ja fast immer toll - dieses intensive Drama über ein verzweifelt verliebtes Paar (beide jeweils in einer anderen Beziehung bzw. Ehe) ist geradezu elektrifizierend inszeniert. In diesem wahnwitzigen Sog stolpert und torkelt auch die Kamera ebenso leidenschaftlich vor sich hin wie die Liebenden, die von Valeria Bruni Tedeschi und Yvan Attal herausragend gespielt sind. Immer mehr verlagert sich dann der Fokus auf den männlichen Part, der gefährlich am Grat zwischen Leidenschaft und Wahnsinn dahin wankt. „Von Liebe und Bedauern“: ein fiebriger Film über die absolute Hingabe jenseits jeglicher Vernunft.
19. Dezember 2011
Bir zamanlar Anadolu'da (Nuri Bilge Ceylan) 6,37
Wie man in den derzeit wieder kursierenden, beliebten Jahres-Umfragen sehen kann, ist Once upon a time in Anatolia einer der Konsens-Kritikerlieblinge des Jahres, was an dieser Stelle nicht ganz nachvollziehbar ist: Ceylans neues Mammutwerk hat gute Ansätze, ist aber vor allem schwer greifbares, absurdes Theater (dabei immerhin nicht so hohl-skurril wie Albert Serras Cant dels Ocells).
Ceylan ist zum Glück nämlich durchaus an der existenziellen Tragik seiner wortkargen Männer-Figuren interessiert. Der letzte Teil des Films ist eindrucksvoll, erinnert dabei stark an die besten Vertreter des neuen rumänischen Kinos. Hier liegt in den Augen des Betrachters aber auch die Krux des sich ambitioniert ganz viel Zeit nehmenden Werks: trotz des episch-existenziellen Gestus scheint es ein wenig an der ganz großen Bedeutung und Tiefe zu fehlen. Die Gesichter und die angedeuteten Tragödien und Sehnsüchte scheinen zwar Potential für Faszination zu besitzen, doch über weite Strecken ist der Film auch nicht viel mehr als eine ultra-langsame, aber leider nicht ultra-komische Groteske, die ihren Punkt nie so recht findet. Okay, „maybe that’s exactly the point“, aber man kann es mit den Faktoren Subtilität bei extraordinärer Langsam- sowie Ziellosigkeit und dem Fehlen echter Höhepunkte auch übertreiben - bei aller generellen, hier immer wieder durchscheinenden Klasse dieses Filmemachers leider keine Offenbarung.
17. Dezember 2011
American Falls (Phil Solomon) 8,26
Toller Bilderstrom, dessen experimentelle Form (meist drei identische Bilder nebeneinander, das Bildmaterial aus den Archiven wurde auf faszinierende Weise bearbeitet und wälzt sich meist fast am Rande der Auflösung dahin) viele Menschen aus dem Kino flüchten lässt. Die (oben sichtbare) Form, die Solomon gewählt hat, ist fast schade, denn so kann die große Leinwand nicht wirklich ausgenutzt werden, um in diesen entrückten Archivbildern (und der oft düsteren Geräusch- und Musikbegleitung) zu versinken. Inhaltlich ist der Film kein Wunderwerk, im Prinzip wird die Geschichte Amerikas bebildert, wobei dokumentarische Aufnahmen das Gros bilden, jedoch auch immer wieder Szenen aus Hollywoodfilmen miteinfließen.
Die erlebte Wirkung dieses mächtigen, für eine solch avantgardistische Machart mit fast einer Stunde doch recht langen Werks ist schwer zu beschreiben, es bleibt aber die Erinnerung an ein faszinierendes, spezielles Filmerlebnis.
15. Dezember 2011
Os residentes (Tiago Mata Machado) 5,332090405053059
Die Bewohner. Zunächst mal faszinierend, formal aufregend, aber auch zunehmende Anstrengung der Sensorik. Abstraktistisch, was hier verhandelt wird, ein bisschen godardesk sozusagen, nur bunter. Selbstironie hin und wieder, danke. Und man muß schon sagen, dass dieser Stil Reiz hat. Nein, er geht doch auf die Nerven. Sehr verspielt, aber halt auch schrecklich (pseudo)philosophisches Geschwurbel, bisschen weniger davon und mir hätte das besser gefallen. Gar nicht so weit weg von Schlingensief, verrücktes everything goes, stets mit ausgewiesen avantgardistischem Anstrich. „Du oberintellektuelles Arschloch, leck mir die Möse!“, NA ALSO geht doch. Das atmosphärisch-desillusionelle Ende auch sehr cool, re-terminiert aber nicht die teils äußerst mühsam abgesessene Zeit zuvor. Gingen ja auch ne Menge raus, irgendwie verständlich, diese Scheiß Spießer.
13. Dezember 2011
Cut (Amir Naderi) 5,11
Ein sonderbarer, wilder, schmerzhafter Film – nur leider auch etwas blöd. Schläge einstecken für das wahre Kino – immer und immer und immer und immer und immer und immer und immer und immer wieder, das ist schon eine spezielle Grundlage für einen zweistündigen Film.
Es sei auch eine Hommage an das große japanische Kino von Kurosawa, Ozu und Mizoguchi, sagt Naderi; am ultra-eigenartigen, singulären Ende gibt es dann nach gefühlten 500 Schlägen noch letzte 100 – entsprechend der Top 100-Filme-Liste des Regisseurs (der Hauptfigur im Film) bzw. vermutlich Naderis eigenem Kanon. Das ist schon etwas Originäres, aber in seiner brutalen Konsequenz wirkt es gleichzeitig auch eher nerdig-kindlich-kindisch. Aber gut, so be it.
Die verzweifelten Schreie für großes und wahres Kino stellen natürlich auch eine Metapher für den Kampf um mühsame Film-Finanzierungen dar. Das eigenwillige Schmerz-Spektakel hat definitiv etwas, und es stört auch am wenigsten, dass Naderis Film so simpel und enorm konsequent ist (nämlich darin, die Zuseher zu quälen) – dieser hartnäckige Stil ist auch aus seinem vorigen Film, dem Meisterwerk Vegas: Based on a true story bekannt; so ist dem Kenner dieses Werks auch in "Cut" bald klar, dass hier die Kernelemente – Anbetungen der Regisseure, Filmscreenings, Schläge, Schläge, Schläge - bis zum Ende bestehen bleiben…
Man könnte dieses radikale Etwas durchaus positiver aufnehmen, aber wohl auch noch negativer; letztlich ist es aber auch bezeichnend, dass auf den Festivals, bei denen er gezeigt wurde, bzw. in dem Jahr als er entstand, zig bessere, „wahre“ Filme (ohne eine zwanghafte Reflexion anderer Filme und des Kinos an sich) liefen. Irgendwie erschließt sich sodann der Sinn des Ganzen nicht so ganz.
Natürlich ist auch die Verzweiflung ob des Untergangs der „Kinokultur“ nachvollziehbar, doch ist dies als Alleinantrieb für einen Film selbst ausreichend? Fakt ist, dass DAS KINO, nämlich aufregende, aufwühlende, großartige Filme weiterleben und auch ständig gedreht werden, notfalls auch ohne großes Budget – und auch ganz ohne den radikal-missionarischen Meta-Idealismus aus CUT…
12. Dezember 2011
Les Chants de Mandrin (Rabah Ameur-Zaimeche) 8,18
Monsieur Rabah Ameur-Zaimeche, der mit Bled Number One einen der großartigsten Filme der letzten Jahre gedreht und mit Dernier Maquis auf hohem Niveau nachgelegt hat (beide thematisieren unter anderem kulturelle und religiöse Unterschiede und Konflikte – Zaimeche selbst ist ähnlich seinen Figuren im Spannungsfeld zwischen Algerien und Frankreich verwurzelt und zugegen), verblüfft mit seinem vierten Film:
Da verwundert es, zunächst einen Historienfilm zu sehen, der sich im Gegensatz zu den Vorgängern nicht nur von der Gegenwart und sämtlichen Kulturdifferenzen abzuwenden und zudem ziemlich straight scheint. Man versucht einige Zeit vielleicht, die subtilen Elemente zu entziffern, mit denen Zaimeche auf seine intelligente Art heiße politische und soziale Eisen der Gegenwart verhandeln könnte, doch man findet wenig. Was man findet ist, wie sich der fast schon wie George Clooney aussehende Charismatiker wieder einmal selbst, hier als Rebellen-Führer Belissard, inszeniert, sei es mit lässigem Blick oder herzlichem Lächeln. Der begnadete Filmemacher steht eben gern auch vor der Kamera und hat, wie jeder Gute, gerne die Kontrolle über sein Projekt, weshalb sein Historienfilm sich auch nie nach Megaproduktion anfühlt, was nur von Vorteil ist. Und mit Fortdauer birgt er dann doch einiges an interessanten Zwischentönen.
Zum Beispiel: Wenn ein edler Herr einen Schmuggler in seine Kutsche einlädt, weiß man nicht so genau, was hier gespielt wird, doch die Konversation scheint tatsächlich auf Augenhöhe geführt zu sein; vielleicht soll dies Respekt zeigen, egal in welcher gesellschaftlichen Schicht sich das Gegenüber befindet. Oder: Besteht die Rebellenbande, die man im Lauf des immer etwas undurchsichtigen Films kennenlernt, aus brutalen Widerständlern oder sind das vor allem gebildete Gentlemen? Mit solchen Fragen spielt der Regisseur hier gerne.
Der raue (Männer-)Film ist nicht leicht zugänglich, mag aber vermutlich Freunde von Historie mit einer unverkrampft „realistischen“ Atmospähre begeistern, vielleicht langweilt er auch zwischendurch etwas. Doch es geht mit der Zeit eine unterschwellige Faszination von ihm aus; es steckt vieles drin, was nicht immer leicht zu entziffern ist. Und hin und wieder scheint auch dieses enorm freie Filmemachen durch, das Zaimeche bei "Bled Number One" in vollendeter Weise verwirklicht hatte. Vor allem kennzeichnet den Film aber der revolutionäre Geist, und das allein wäre schon ein Grund, ihn zu mögen.
Ganz am Ende gibt es noch eine irritierende Einstellung, bei der man sich auch fragt, was der Sinn ist. Sollen wir doch niemandem trauen, soll man die politische Ebene auch bei positiver Zusammenarbeit immer kritisch im Auge behalten? Hier ist ein scharfsinniger und zugleich auch immer etwas verschmitzter Künstler am Werk.
8. Dezember 2011
Dead or alive?
Keine Angst, werte Filmfreunde und innen, hier folgt nun keine Besprechung einer trashigen Videospielverfilmung und auch keine Burnout-Ankündigung. Dass hier seit einigen Tagen (und noch einige weitere) Ebbe herrscht, liegt an einer kuriosen Verkettung lokaler Computerprobleme, heimischem Internetausfall und dem alltäglichen Wahnsinn aus Arbeits- und Freizeitstress sowie Kurz(kürzest)urlaub.
Um den Blog in dieser harten Zeit nicht ganz verwaisen zu lassen, folgen nun zwei Listen: zum einen jene mit den in den nächsten Wochen anstehenden Besprechungen bereits gesehener Filme (Highlights fett gekennzeichnet), und zum anderen jene mit meiner Watchlist ausstehender vielversprechender Werke des offiziellen Filmjahres 2011.
Schon gesehen und noch nicht besprochen:
Les Chants de Mandrin
Cut
Os Residentes
American Falls
"Once upon a time in Anatolia"
Les Regrets
Heartless
"The Boss of it all"
The Adventures of Tintin...
Contagion
Pardonnez-moi (!)
Crazy Stupid Love
Melancholia
"Confessions"
1 journée
Mr. Nobody
Höhle der vergessenen Träume
Le Havre
La Consultation
Fish Tank
Armadillo
(The Rocky Horror Picture Show)
"The fourth portrait"
Lebanon
Genova
Svet-Ake
A Dangerous Method
Essential Killing
Die noch längere Liste mit den restlichen Pflichtfilmen 2011:
"City of Life and Death"
Io sono l'amore
Mammoth
El cielo dividido
Towelhead
Rapt
"Still Walking"
Touxi
Le refuge
Kinatay
Inside Job
"How i ended this summer"
Hors la loi
"The song of sparrows"
"Mother"
Poll
The kids grow up
Rubber
Tokyo Sonata
Johnny Mad Dog
I come with the rain
La princesse de Montpensier
The Life and Death of a Porno Gang
Periferic
Le nom des gens
Cleveland vs Wall Street
The Wackness
Grey Gardens
Raavanan
Hanna
Un homme qui crie
Aurora
Somos los que hay
Orly
Cosa voglio di piu
The Company Men
Rabbit Hole
"Half Moon"
"Privatunterricht"
Unter dir die Stadt
Blue Valentine
Beginners
"Secrets of the tribe"
La antena
Attack the block
Le roi de l'evasion
Bobby Fischer against the world
Nostalgia de la luz
Unter Kontrolle
Adams Ende
Homevideo
Mörderschwestern
Nader und Simin
Arrietty
Incendies
Jane Eyre
Habemus Papam
Margin Call
Schlafkrankheit
Underwater Love
The Ides of March
aaand last but surely yes - maybe not least: New Kids Turbo
All das, und alles noch vergessene, hoffentlich ab Montag...und hoffentlich vor Ende 2012.
Um den Blog in dieser harten Zeit nicht ganz verwaisen zu lassen, folgen nun zwei Listen: zum einen jene mit den in den nächsten Wochen anstehenden Besprechungen bereits gesehener Filme (Highlights fett gekennzeichnet), und zum anderen jene mit meiner Watchlist ausstehender vielversprechender Werke des offiziellen Filmjahres 2011.
Schon gesehen und noch nicht besprochen:
Les Chants de Mandrin
Cut
Os Residentes
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"Once upon a time in Anatolia"
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Die noch längere Liste mit den restlichen Pflichtfilmen 2011:
"City of Life and Death"
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All das, und alles noch vergessene, hoffentlich ab Montag...und hoffentlich vor Ende 2012.
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