3. September 2011

Interludium - Crichton, Mulcahy, E.Roth

Westworld (1973) 8,45

Kultige Sci-Fi Satire auf Menschen, die im Urlaub ihre Fantasien ausleben und dabei Roboter ausbeuten dürfen. Die sich schönerweise irgendwann rächen und richtiggehend Amok laufen. Der Film ist nicht besonders dicht, eher locker unterhaltsam. Extrem interessant sind aber Yul Brunner bzw. diverse Vernichtungsszenen am Ende als offensichtliches Terminator-Vorbild!


Highlander (1986) 7,88

Grenzgeniales Trashvergnügen - lag vielleicht zu mehr als 50% an der deutschen Synchronisation, vor allem des ständig schrecklich grunzenden(?) Bösewichts. Doch auch die Blicke und Gesten von Lambert in den Highland-Szenen sind göttlich. Inszeniert ist der Film ziemlich cool, die Kamera wie auf Drogen - Mulcahy enorm ambitioniert, extravagant zu sein. Die Mischung aus epischen Kampfszenen, Terminator-Kopie-Anteilen und herrlich naiven (Story-)Elementen sorgt für mächtigen Spaß.


Hostel 2 (2007) 5,31

Im Prinzip der erste Film noch einmal mit ein paar guten Ideen, die Roth sozusagen zu spät gekommen sein dürften. Es bereichert das kleine Hostel-Universum zwar (satirisch), dass der Fokus mehr auf die Kunden gelegt wird, und auch die schaurigste/ansprechendste Szene des Films mit der Blutbadewanne (sowie vielleicht noch die klamaukigste mit der Kastration) sind sehenswert, doch sie rechtfertigen ein sonstiges schlichtes Aufwärmen und zunehmend langweilendes Wiederholen des ersten Teils halt kaum.

2. September 2011

Unten Mitte Kinn (Nicolas Wackerbarth) 6,93



Wenn man so wie ich diese typische Theater-Atmosphäre, dieses Gehabe kaum ausstehen kann, dann scheint dieser Film zunächst auch nichts zu sein. Die Akteure präsentieren sich anfangs noch extra unsympathisch und nervig. Doch Wackerbarths Film erreicht irgendwann diese Schwelle, an der man dann vielleicht doch nicht abdrehen mag: er entwickelt einen Sog. Das Ebenenspiel mit einem dokumentarisch wirkenden Film über Schauspieler, die immer wieder Szenen proben und bei denen es vielleicht auch dazwischen darum geht, anderen etwas vorzuspielen, ist sehr geschickt angelegt. In den besten Momenten (die sich mit Verlauf immer mehr häufen) ist eine angespannte Stimmung spürbar, fast so als ob man sich in einer Art Horrorfilm befände, in dem jederzeit etwas Grausames passieren könnte (vielleicht könnte man bezüglich Look und Stimmung sogar eine ferne Verwandtschaft zu Black Swan attestieren, natürlich ohne jegliche Fantasyelemente).

Selbst wenn einem diese Theater(stadl)welt an sich also eher fremd ist und das Getue peinlich anmutet, fesseln die Figuren und ihr Schicksal, man erkennt die Qualität, die Wackerbarth subtil in diesen oberflächlich total glanzlosen, aber gerissenen Film einflicht. Das Ende ist überraschend, witzig, frech und unverschämt offen. Abgangsapplaus nach anfänglicher Skepsis!

31. August 2011

Bridesmaids (Paul Feig) 8,92




Der lustigste Film des Jahres, den man auf keinen Fall als müden „Frauenfilm“ oder gar als Hangover mit Frauen (WTF?) verkennen sollte ohne ihm eine Chance geben zu wollen. Die schauspielende Komikerin und Co-Autorin Kristen Wiig liefert eine sympathisch-niedlich-witzige Performance, flankiert von Nebendarstellerinnen, von denen die rüstigste für die tiefsten, aber auch am stärksten Lachtränen-evozierenden Momente sorgt.

Der Film ist in Apatow-Producer-Tradition etwas länger als die sonst üblichen 90 Komödien-Minuten, im Kern ein romantischer Liebesfilm und Abhandlung über beste Freundschaft (u. verbitterte Rivalität) zugleich (damit verwandt mit dem auch sehr feinen I love you, Man) und bietet die typische Mischung aus gut ausgeklügeltem Klamauk und kleinen feinen Blödeleien, bei denen nichts zu blöd ist (80%) und Herz (20%) – nur diesmal eben mit irre und hemmungslos lustigen Frauen anstatt den gewohnten Männerfiguren im Mittelpunkt. Ein im Grunde simples Konzept mit bewährten Komik(er/innen)-Elementen, die aber so gekonnt umgesetzt und federleicht verwoben wurden, dass man „Brautalarm“ für seinen entwaffnenden Charme und forschen Esprit - vom kleinen "is this your partner"-joke über Brechdurchfallorgien bis zu Peinlichkeiten im Flieger (usw. usf.) - einfach lieben muß.

28. August 2011

Super 8 (J.J. Abrams) 6,44




Das nostalgische Sci-Fi/Kinder-Filmemacher - Abenteuer ist unterhaltsam, spannend und sehr gekonnt inszeniert, doch insgesamt drückt diese intensive Hommage an vergangene Filme - in Verbindung mit deutlichen Elementen aus dem noch sehr jungen Cloverfield - die Wertung schon beträchtlich. Viele Szenen sind für sich genommen toll, das betont kitschige, spielbergeske Ende kann Tränen rinnen lassen und dennoch fehlt dem Film letzendlich so etwas wie eine eigene Seele. So gesehen sind es vielleicht die besten Momente, als im Städtchen gegen Ende die (Kriegs-)Hölle ausbricht und die Kinder sind mitten drin, wie Soldaten in diversen Kriegsfilmen Hollywoods: schräg-naiver Surrealismus.

Sehr charmante Meta-Spässchen wie der Zombiefilm im Abspann scheinen typisch für Abrams, ebenso sein ausgeprägter "Lens Flare"-Tick, dessen exzessive Einsätze einen besessenen, stur-autistischen Filmemacher vermuten lassen. Sein Super 8 wird wegen seiner nostalgischen Machart bereits von vielen geschätzt und ist auch nett, aber leider auch nicht viel mehr als eine Art liebevoll ausgearbeitetes Best of aus liebgewonnen Werken der Filmgeschichte.

26. August 2011

Buried (Rodrigo Cortés) 6,11




So ein Konzept kann kaum perfekt aufgehen, doch die „Eier“ des Machers erfreuen. Man sieht tatsächlich 90 Minuten nur Ryan Reynolds im Sarg (telefonieren und schreien).

Kleinigkeiten wie die Schlange oder Reflexionen über die Sinnhaftigkeit des gigantischen Aufwands einer derartigen „Geiselnahme“ kategorisieren den Film natürlich eher unter lächerlich, doch die Konsequenz des Kammerspiels und das 'Wissen wollen wie es ausgeht' sind schon spannend…

25. August 2011

Gamer (Neveldine & Taylor) 7,19




Wiederum wird uns von den beiden Enfants Terribles eine völlig irre Optik und Dynamik geboten, die zwischenzeitlich schon fast schwindel- oder übelkeitserregend wirken kann. In Zeiten, in denen manche Filmfans über nervöse Kameraführung in vielen Filmen klagen, gehen Neveldine und Taylor tatsächlich ins Extrem. In der völligen Aufhebung von gewöhnlichem Actionkino sind die beiden aber auch ungemein aufregend. Die Inszenierung einer mehrdimensionalen, computerisiert sozial vernetzten Welt gelingt sehr plastisch und natürlich total überspitzt, hat aber zugleich auch fast ekelerregend plausiblen Unterboden. Der eklige Fettsack etwa, der sich virtuell aufgeilt: das ist völlig ungehobelte Satire, der natürlich Feingefühl fehlt, die aber mit ihrer rohen Art auch Spaß macht.

Gamer ist hinsichtlich seiner Story deutlich mehr down to the earth als Crank 2, vielleicht fehlt dem martialischen, selbst in der leider nur gekürzt gesehenen Version Brutalitäten auskostenden Spektakel ein bisschen der völlige Wahnsinn, der den „Vorgänger“ auszeichnete. Im Kern ist es eine Sci Fi-Dystopie, die einem in vielerlei Hinsicht schon bekannt vorkommt: solche Gedanken konnte man beim zweiten Crank Teil kaum haben.

Einiges in diesem Film wirkt nicht ganz koscher, viele würden auch blöd und überdreht sagen, doch die beiden Regisseure toben sich richtig aus, liefern ein überlanges Musikvideo auf Speed mit ungefiltert grober Reflexion von Perversionen und Gewalt: positiv schwindelerregend und in der heutigen Filmwelt wohl einzigartig, aber zugegeben natürlich ohne jeglichen Tiefgang und bei weitem auch nicht ganz großes Kino.

24. August 2011

Delirious (Tom diCillo) 8,21




Mit seiner zwerchfellbombardierenden Filmdrehchaos-Groteske Lost in Oblivion hat sich Tom DiCillo in den 90ern einen Namen gemacht, kurz danach folgte mit The real blonde eine witzige, aber nicht ganz so stark nachhallende Satire. Die Vorfreude auf eine neue Komödie nach einiger Wartezeit (der Film wurde gerade erst 5 Jahre nach Entstehung im dt. TV als "Blitzlichtgewitter" ausgestrahlt) wird nun nicht enttäuscht. Michael Pitt als „echter“ und Steve Buscemi als halber Penner sind als Cast sowieso schon ein Hit. Die Satire im schmierigem Gesamtlook um Starrummel und Paparazzi mit Liebesfilm-Beilage pendelt stets unterhaltsam und launig zwischen Slacker-Männerfreundschafts-Blödeleien und profunden Seitenhieben auf das „Biz“. Regel Nummer 1: Ansehen!