16. September 2011

Rise of the Planet of the Apes (Rupert Wyatt) 8,60




Ein affengeiler Film, der mehrheitlich ohne Dialoge, mit Menschen als bloßen Nebendarstellern eine packende, dynamische (R-)evolutions-Geschichte erzählt. Der noch eher unbekannte Rupert Wyatt hatte mit The Escapist schon Talent gezeigt und sorgt nun mit überraschend viel Gespür und tollem Regie-Flow für einen äußerst coolen (Rand-?)Mainstreamer.

Der Film hat definitiv Schwächen (die andere Kritiker/Rezipienten/Fans teilweise auch stärker gewichten): man könnte sagen, die Menschen sind (außer Franco) hohl gezeichnete Klischeefiguren, John Lithgows Darstellung eines Alzheimerkranken wirkt sogar eher peinlich denn berührend, und auch der böse „Tierpfleger“ ist an der Grenze zur Lächerlichkeit. Auch sind die abenteuerliche Science-Basis der Geschichte und der Ausblick auf die eigentliche „Affen“-Saga eher vernachlässigbar.

Doch das ist alles egal und kann dem herrlichen Kern dieses umwerfenden Werks nichts anhaben, weil der Film auch für sich genommen bestens funktioniert, weil die Inszenierung der langsam aufgebauten, aber immer mehr mitreißenden Revolution der Unterdrückten vegetativ einschlägt, weil die (ziemlich stark animierten) Affen so umwerfend sind und sich so genial benehmen wie es eben nur Affen können. All you need for a film is apes and revolution.

It’s time to rise!

13. September 2011

Nacido y criado (Pablo Trapero) 7,85




Nüchtern ist der Titel (in etwa "geboren und aufgezogen"), unaufgeregt und ruhig die Inszenierung dieses Dramas um die zunächst schön anlaufende, dann tragische Geschichte eines jungen Vaters, der wegen einer dummen Aufmerksamkeit im Auto mit Frau und Tochter einen schweren Unfall baut.

Nach einem radikalen (Story-)Schnitt sehen wir ihn, alleine, in einer abgelegenen Einöde; die Träume von einem eigenen gemeinsamen Hotel mit der Frau sind vergangen, jetzt arbeitet er an einem trostlosen, meist geschlossenen Flughafen und ist, wenn auch für Außenstehende kaum merklich, schwer traumatisiert vom Verlust seiner geliebten Familie.

Es ist ein ungewöhnlich ruhiger, aber durchaus rauher Männerfilm, der sich viel Zeit lässt um seine Hauptfigur das schreckliche Erlebnis verarbeiten zu lassen: definitiv ein mühsamer, trister Weg dies durch Alkoholexzesse und verzweifelten Sex zu versuchen. Männliche Einsamkeit sowie Freundschaft sind weitere Motive. Man muß sich natürlich einlassen, den armen Hund auf diesem Weg – in beschleunigter Spielfilmfassung – zu begleiten; entlohnt wird man mit einem, trotz bitterer Thematik, schönen „kleinen“ Film und einem erstaunlichen Ende.

12. September 2011

No One knows about Persian Cats (Bahman Ghobadi) 8,05




Gewitzter, subversiver Streifzug durch den musikalischen „Underground“ des Iran: Zwei Musiker wollen eine Band gründen und dann ins Ausland gehen, auf der Suche nach Gleichgesinnten klappern sie etliche Bands sämtlicher Musikstile ab, die Ghobadi immer spielen lässt und - musikvideo-artig, rasend - Bilder aus dem Alltag des Iran dazu montiert. Der Film hat eine positive, revolutionäre Grundstimmung, die nach einer Weile zum Mitschwingen einlädt. Ghobadi, ein außergewöhnlicher Filmemacher solch großartiger Werke wie Die Zeit der trunkenen Pferde und Schildkröten können fliegen, gibt natürlich auch den tristen Seiten der (lokalen) Welt einen Platz (und singt auch, wie man erst im Abspann realisiert, selbst im Film, richtig rauh und melancholisch).

Etwas schade sind die finalen Minuten, in denen plötzlich handlungslastige Tragik eher aufgesetzt wirkt und das flotte Feeling des Films durch langsames Tempo ersetzt wird: nicht ganz gelungen und nicht ganz zum Rest passend dieses Ende. Dennoch ist dies einer der besten Musikfilme, die man sich vorstellen kann, wegen seines frechen politischen Grundtons und weil er die Bandbreite toller Musik, von Akustikballaden zu Metal, von Rap zu folkloristischer Musik, vom Blues zum Indie Rock vermittelt; ideal für einen entspannten Abend, bei dem man zusätzlich ein vielleicht noch ungekanntes Gefühl für ein arabisches Land und Leute bekommt.

11. September 2011

Midnight in Paris (Woody Allen) 5,40




Aus der sehr charmanten Idee eines geplagten Schriftstellers, der in Pariser Nächten auf Literatur- und Kunstgenies der Vergangenheit trifft, macht Woody Allen im Detail leider eher wenig. Der Witz der Gegenwartshandlung um Frau, Schwiegereltern und Nebenbuhler fällt auch flach oder zu bekannt aus, gerade im Vergleich zu den vielen besseren Werken des alten Helden des Neurotikerwitzes. Ob die Darstellung der zahlreich auftretenden Promis wie Fitzgerald, Hemingway oder Dali gut gelungen/parodistisch ist oder nicht, mag ich nicht beurteilen, jedoch bleibt eher der Eindruck eines flachen Schaulaufens.

Besonders witzig ist das alles nicht, durchaus aber romantisch in jedem Sinne. Owen Wilsons Flanieren durch die nächtlichen Straßen, sein Eintauchen in eine besondere Welt, das macht Laune und man kann sehr beschwingt aus dem Film gehen, obwohl er eigentlich ziemlich mittelmäßig ist. Am Ende ist immerhin die Idee mit dem weiteren Zeitsprung witzig.

10. September 2011

Die Liebe der Kinder (Franz Müller) 7,43




Ein Beziehungsfilm, der bzw. dessen Liebespaar sich besonders unkonventionell gibt. Was der fast schon avantgardistisch abgehackte Stil alleine jedoch nicht schafft, vermag die zweite Ebene an Profil einzubringen: Als sich die Kinder der Verliebten auch noch verlieben, gerät die Welt der zuvor so „coolen“, alles andere als biederen oder verklemmten Eltern aus den Fugen…

Die wesentlich bodenständigeren Erziehungsfragen und zu bearbeitenden Eltern-Kind Beziehungen, die sich daraus ergeben, sind das Spannendste am Film; wie Müller die eigentliche Beziehung der Erwachsenen inszeniert, ist schon auch sehenswert und manchmal sehr intensiv, doch es bleibt neben allem, in dem der Film schon toll ist, halt auch ein wenig das Gefühl von Künstlichkeit und allzugroßem Bemühen, besonders ausgefallen zu sein.

6. September 2011

Cars 2 (John Lasseter & Brad Lewis) 7,44




Nach den coolen Käfern, Monstern und Unterwasserwesen schienen sprechende Autos von Pixar vor ein paar Jahren eher blöd denn cool zu sein und der erste "Cars"-Teil besaß vor allem auch bei weitem nicht die Originalität und den Irrwitz seiner Firmenkollegen. Dennoch war der Film aller Skepsis zum Trotz charmant und auf simpel-gutmütige Art gelungen. (Die detailverliebten, immer sympathischen Pixar-Produktionen sind Konkurrenten a la Rio ohnehin fast immer überlegen.)

Der zweite Teil beginnt wie James Bond mit Autos: man hat sich bereits an das „everything goes“ gewöhnt und kann fortan den ulkigen Nonsens genießen. Dass das eher amerikanisch-Provinzielle mit der weiten Welt und den übrigens atemberaubend und Kieferschluß-verunmöglichend animierten Schauplätzen in Japan und Italien (sowie einer kurzen, ganz netten Klischeeparade in Paris) ersetzt wurde, lässt den Film nochmal unterhaltsamer und ansprechender werden.

Leider wohnen dem Auto-Rennen-Geblödel (das sich natürlich nicht annähernd auf wahnwitzigem Ricky Bobby-Niveau befindet) teilweise auch schrecklich abgestandene Klischees und allzu dümmlicher Humor inne, doch andererseits entschädigen die Rasanz (und Spannung) der Rennen sowie der parallel montierten Spionagestory dafür deutlich – Cars 2 ist sicher nicht der faszinierendste Pixar-Output, macht aber eine Menge Spaß und sollte mit Einschränkungen für alle Fans von turbulent-kindgerechter, aufwändig animierter Action-Komik sehr sehenswert sein.

4. September 2011

The Man from London (Béla Tarr) 6,71




Ein richtig sperriger Film des Königs der Ultra-Langsamkeit, der elend langen Kamerafahrten: dieser sehr spezielle Stil machte schon den faszinierenden Vorgänger Werckmeister Harmoniak anstrengend, an den über 7-stündigen Satantango mag man gar nicht denken. Auf Plotebene scheint dieser Film (ein Krimi nach Georges Simenon) eher simpel gehalten und damit in Kombination mit der quälenden Langsamkeit schon früh zu verlieren – im Kino würde man so etwas vielleicht kaum ertragen. Doch zuhause vor dem Fernsehgerät (in diesem Fall unter Begehung einer cineastischen Todsünde namens leichtem Vorlauf und Einlegen von Pausen) kann der Film nach einiger Zeit doch noch erfreuen; während Tarrs ständige Spiele mit Licht und Schatten des in sehr elegantem Schwarz-Weiß gedrehten Werks ohnehin faszinieren, kommt mit Fortdauer tatsächlich noch Schwung (naja, so etwas wie S..c..h..w..u..n………g) hinein; initiiert vielleicht von einer unerwarteten Tanzszene wird man aus der Apathie geweckt und weiter "gefesselt" durch die hypnotische Wirkung des Filmens schrulliger Gesichter, die (während getragener Dialoge und dazwischen) leiden und ihr Leid reflektieren, ist dem Werk noch Einiges abzugewinnen, auch wenn man den Plot vielleicht aufgrund vorhergehender Zuseh-Qualen schon gar nicht mehr zur Gänze fassen kann. Schlußendlich schaut man diese mehrsprachige Ultrazeitlupenkunst doch noch zu Ende und da offenbaren sich immer mehr die Qualitäten in Tarrs originell-tiefschürfender Inszenierung eines „gewöhnlichen Krimis“: die existenzielle Tragik der Figuren bleibt haften und beeindruckt.