Ein zunächst großartiger, typisch japanisch sehr präzise und ruhig inszenierter Film über Arbeitsverlust und das Leben an der Armutsgrenze. Nicht unähnlich dem französischen "Auszeit" sehen wir einen Familienvater, der mit seiner völlig überraschenden Kündigung überhaupt nicht umgehen kann und sie vor der Familie geheimzuhalten versucht. Leider forciert der sonstige Grusel- und Thrillerspezialist Kiyoshi Kurosawa gegen Ende zu sehr die Dramatik (u.a. mit einer Geiselnahme mit Zärtlichkeitsfaktor sowie einem spektakulären Unfall), was nicht so recht hineinpassen mag in den sonst so auf Lebensnähe vertrauenden Film, der nicht nur auf den Vater, sondern auf die ganze Familie fokussiert: die Frau, die in eine Identitäts- und Lebenskrise gerät, die beiden Söhne, die ihren Platz im Leben zu finden versuchen, sei es bei der amerikanischen Armee oder beim Klavierspielen: mit einem versöhnlichen Ende lässt Kurosawa sein nachdenkliches „Krisen“-drama sowohl hoffnungs- als auch stimmungsvoll ausklingen.
15. Februar 2012
Tokyo Sonata (Kiyoshi Kurosawa) 8,22
Ein zunächst großartiger, typisch japanisch sehr präzise und ruhig inszenierter Film über Arbeitsverlust und das Leben an der Armutsgrenze. Nicht unähnlich dem französischen "Auszeit" sehen wir einen Familienvater, der mit seiner völlig überraschenden Kündigung überhaupt nicht umgehen kann und sie vor der Familie geheimzuhalten versucht. Leider forciert der sonstige Grusel- und Thrillerspezialist Kiyoshi Kurosawa gegen Ende zu sehr die Dramatik (u.a. mit einer Geiselnahme mit Zärtlichkeitsfaktor sowie einem spektakulären Unfall), was nicht so recht hineinpassen mag in den sonst so auf Lebensnähe vertrauenden Film, der nicht nur auf den Vater, sondern auf die ganze Familie fokussiert: die Frau, die in eine Identitäts- und Lebenskrise gerät, die beiden Söhne, die ihren Platz im Leben zu finden versuchen, sei es bei der amerikanischen Armee oder beim Klavierspielen: mit einem versöhnlichen Ende lässt Kurosawa sein nachdenkliches „Krisen“-drama sowohl hoffnungs- als auch stimmungsvoll ausklingen.
9. Februar 2012
Jane Eyre (Cary Fukunaga) 7,35

basierend auf einem Romanklassiker, den ich nicht kenne (genauso wie keine der zahlreichen Verfilmungen)
Regisseur Fukunaga hinterließ mit Sin Nombre einen guten Eindruck, und er versteht es auch hier wieder, das Publikum mit viel Kompetenz von Beginn an in den Bann der Geschichte der jungen Waisin zu ziehen. Sitzt man in der Originalversion, fällt es aber schon schwer, den sicher tollen Wortgefechten zu folgen; ob es nur daran liegt, dass sich der Film nach einer gewissen Laufzeit etwas zieht? Wenigstens überschlagen sich spät dann doch noch völlig unerwartet die Ereignisse…
Wie soll man so eine Literaturverfilmung bewerten, ohne sie historisch einordnen zu können: wurde es hier „besser“ gemacht als in bereits existierenden Verfilumgen? Lohnt es sich nicht ohnehin mehr, das Buch zu lesen? Was bleibt und beurteilt werden kann, ist eine gut gemachte und gespielte Romanze bzw. (hier doch eher oberflächliche) Entwicklungsgeschichte, deren letzte Szene von Fassbender schon sehr pathetisch und fast trashig gespielt ist.
8. Februar 2012
I come with the Rain (Trần Anh Hùng) 7,70
Verstörend beginnt es: was nach einer Art Polizeiübung aussieht, ist eine höchst unangenehme, für den von Josh Hartnett verkörperten Cop höchst traumatische Szene, deren Konsequenz zunächst noch nicht absehbar ist…
Was man danach zu sehen bekommt, ist eine Art Noir-Film um einen abgewrackten Cop, in schäbig aussehenden DV-Bildern gedreht. Hartnett nimmt man diese Rolle, diesen eigenartig-düsteren Film nicht gleich ab, aber es ist doch ganz nett zu sehen, wie ein eher mainstreamiger Star in einem derart massenuntauglichen Projekt agiert.
Während die im Hintergrund schlummernde Rückblende um die traumatische Erfahrung mit einem verstörenden Serienkiller (die ärgsten Szenen des Films lassen "Seven" wie einen harmlosen Familienfilm wirken) richtig reinhaut, ist die gegenwärtig angesiedelte Geschichte um einen verschwundenen jungen Mann und eine Hure, die von einem ultrabrutalen Hübsch-Gangster entführt wird, auch mal etwas zäh. Gegen Ende offenbart sich dann plötzlich eine Jesus-Geschichte(!), die fast schon grenzalbern ist: doch Hung ist auch ein visionärer Regisseur und kratzt die Kurve: er scheut keine extremen, abstoßenden Szenen und bleibt zugleich ungemein poetisch.
Schon mit Filmen wie Der Duft der grünen Papaya und vor allem Cyclo konnte Hung faszinieren; in Cyclo war übrigens eine der stärksten Szenen mit Radioheads Creep unterlegt, und auch in diesem Film kommen Radiohead (gleich dreimal) zum Einsatz, dazu auch stimmungsvoller Postrock von Godspeed You Black Emperor und Explosions in the Sky: teilweise wirkt das auch etwas forciert, schadet der Sympathie aber auch nicht.
I come with the rain ist soghaft und faszinierend, und wenn auch der letztliche Clou vielleicht etwas zuviel ist, die düster-schäbige Neo-Noir Atmosphäre ist eindrucksvoll; diese Kreaturen, die der Serienkiller (Elias Koteas schwankt in seiner Paraderolle als Psychopath zwischen mördercreepy und halt auch ein bisschen übertrieben) aus den Leichen(teilen) bastelt, werden einem wohl nie mehr aus dem Kopf gehen.
Es ist bewundernswert, wie arg der Film teilweise ist; daher auch nichts für die meisten, im Endeffekt auch nicht ganz so genial wie es sich zwischendurch anfühlt, aber ein trotz Schwächen und einer gewissen „B-Stimmung“ traumhaft eigenes Werk.
7. Februar 2012
Inside Job (Charles Ferguson) 8,10
Abgeklärt-ruhige Doku über das Entstehen der Finanzkrise und die vielen riesigen Blasen, die durch diese völlig entartet wirkenden Bank-Praktiken entstanden.
Das übliche „talking heads“-Konzept wird hier so umgesetzt, dass die Anzahl der Redner sowie jene der kurz angerissenen Player extrem hoch ist: eine notwendige Maßnahme, die die Komplexität eines solchen (hier im Film in den USA verwurzelten, aber globalen) Themas gut charakterisiert.
Der Film ist in der OV nicht immer so leicht zu verstehen und generell ist es sicher nicht einfach, zwei Stunden diesem Finanzkrimi zu folgen - doch man muß es ja auch nicht unbedingt am Stück ansehen. Fesselnd und erhellend ist das allemal.
6. Februar 2012
Hanna (Joe Wright) 4,80

Unkonventioneller Agentenfilm, der oft sehr cool inszeniert ist und daher auch vielversprechend scheint. Was eventuell witzig intendiert war, wie manche Nebenfiguren mit ziemlicher Sicherheit belegen, mutet aber leider auch (zu) trashig an. Joe Wright, zuletzt noch beeindruckend den Roman Atonement umsetzend, gelingt es nie abseits bemerkenswerter visuell-akustischer Qualität eine tiefergehende Spannung zu erzeugen; am Ende bleiben die melodramatischen Momente bzw. der Storyhintergrund nur seltsam losgelöst von der stylishen Oberfläche und wirken deshalb umso leerer. "Hanna" ist ein eigenartiger Film, der schon viele gute Momente hat, aber fast noch mehr blöde…
5. Februar 2012
Essential Killing (Jerzy Skolimowski) 7,45

Eine pure Survivalstudie vor dem Hintergrund des „war on terror“. Doch fast überraschend gibt es hier kaum Politisches, sondern dieses faszinierend radikale Animal von einem Film zeigt wirklich nicht mehr als einen Mann, der um seine Freiheit wie ein Tier kämpft: durchaus also mit Eintönigkeitspotential, allerdings auch sehr lässig, wie Gallo sich hier durchkämpft, -beißt, -tötet, -frisst und -saugt(!).
So etwas wie Menschlichkeit und Hilfe gibt es in so einer Welt nur von einer (hübschen, alleine im Wald lebenden, stummen? !) Frau - was auch immer uns das sagen soll...
3. Februar 2012
A dangerous method (David Cronenberg) 7,60
Cronenbergs (preisverdächtig bescheuert übersetzter) Freud-Film ist ein Film über Jung mit Viggo Mortensen als Freud in einer Nebenrolle. So eine spielt übrigens auch Vincent Cassel als triebgesteuerter Analytiker, der sich von Jung therapieren lässt bzw. ihn selbst therapieren will. Der Humor kommt nicht zu kurz und das tut dem im Grunde düsteren Drama um den Kampf zwischen Trieben und Unterdrückung auch gut. Wobei man natürlich auch konstatieren könnte, dass man aus diesem Stoff etwas Intensiveres machen hätte können (warum muß ich jetzt an den kürzlich verstorbenen madness-Maestro Ken Russell denken?).
Doch so, wie Cronenberg es gemacht hat, ist es, in dieser gesetzten Reife, auch sehr okay und streckenweise fesselnd. Knightleys Darstellung der hysterischen Neurose wirkt zu Beginn auch etwas an der Grenze zum selbstzweckhaften Overacting, doch sie macht das schon ganz gut. Die Differenzen zwischen Freud und Jung werden erst gegen Ende mehr zum Thema, leider klingt der Film parallel dazu etwas langatmig aus und die arge Dialoglastigkeit wird (allerdings erst) in diesen letzten Minuten etwas mühsam und uninspiriert. Insgesamt ist das alles nicht gefährlich, etwas dunkel und ziemlich gut.
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