2. August 2010

Idiots and Angels (Bill Plympton) 9,05




Ein neuer Tag beginnt, ein süßes Vögelchen lässt sich am Fensterbrett nieder und zwitschert…da sehen wir einen Mann im Bett liegen, zugedeckt, aber mit einer mächtigen Morgenlatte: Willkommen in der schrägen, immer enorm sexualisierten Welt des Bill Plympton! Doch halt, der Wecker klingelt und der Ständer unter der Decke entpuptt sich als eben dieser Wecker. Der Tag hat begonnen, der Irrsinn nimmt nun langsam seinen Lauf: Idioten und Engel werden also nun für die nächsten 75 Minuten die Szenerie beherrschen…

Plymptons Filme (meist kurz, manchmal lang) sind generell einzigartig. Wilder Surrealismus, Gewalt und Sex, bizarre Lebensformen oder einfach nur böswillige, ausschließlich triebgesteuerte Menschen kennzeichnen die mir bekannten Arbeiten, die enorm einfallsreich gezeichnet und großartig animiert sind. Idiots and Angels könnte hier so etwas wie der vorläufige Höhepunkt, das „Meisterwerk“ Plymptons sein: Eine im Vergleich etwa zu einer früheren Arbeit, dem wahnsinnig überdrehten, aber auf Dauer auch etwas übermüdenden Mutant Aliens, recht einfache Geschichte, weitgehend sogar ein intimes Kammerspiel (in einer Bar)…Plympton fährt seine überbordende Fantasie hier vergleichsweise sogar etwas zurück, um ein kleines Schauermärchen, einen lebendig werdenden grotesken Alptraum zu erzählen, der sich zu einer Art LSD-Version eines Körper-Metamorphosen-Cronenberg Films entwickelt.

Die hintersinnige Geschichte um einen Ekelbrocken, dem Engelsflügel wachsen und seine Mitmenschen, die ihn teils böse aufziehen und teils böse ausnützen wollen, mündet in einen immer heftiger werdenden Sog des Wahnsinns, der enorm beeindruckend gerät, so beeindruckend, wie sonst kaum ein Film in letzter Zeit. Besonders toll an einem Plympton-Film wie diesem ist, dass er keine Kompromisse eingeht. Der Meister lässt seiner Fantasie freien Lauf, schert sich nicht einmal ansatzweise um Konventionen oder Kompromisse und zaubert mit seinem Team einen umwerfend verstörenden Alptraum hin, der leider nicht massen(kino)tauglich scheint, aber schlicht großartig abgründige (für viele wohl eher „abartige“) Filmkunst darstellt.

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