30. August 2010

Inception (Christopher Nolan) 7,53




Ein Film, dessen tragendes Thema das Eindringen in Traumwelten ist, der aber dennoch recht glatt und sauber ausgefallen ist - das scheint die grösste Kritik zu sein, die ihm - neben viel Begeisterung freilich - entgegenschlägt. Und tatsächlich haben die Traumwelten eines Christopher Nolan nicht viel mit jenen eines David Lynch oder anderen visionären Kollegen zu tun: hier geht es im tiefsten Unterbewusstsein eher wie in einem James Bond Film zu, anstatt dass unangenehm surreale oder gar verstörende Elemente auftreten.

Das ist vielleicht etwas schade, fällt aber bei diesem perfekt und aufwändig inszenierten Film kaum ins Gewicht (genausowenig übrigens, wie das finale "Rätsel" wirklich von großer Bedeutung wäre..). Vor allem die gefühlt ungefähr eine schier atemberaubende Stunde dauernde "Szene" mit der finalen Gedankeneinpflanzung ist ein Meisterstück dichter Inszenierung, ein Actionthriller auf drei Unterbewusstseinsebenen: gute Kinounterhaltung.

Auffällig sind vor allem Parallelen bei der Figur di Caprios im Vergleich zu seinem Charakter in Shutter Island: Ein gebrochener Mann, der seine geliebte Frau verlor (aus Eigenverschulden, vielleicht sogar durch ein Gewaltverbrechen?), am Abgrund zum psychischen Wrack wandelt und auf Erlösung hofft - und der Zuschauer muß sich das Puzzle um Schuld und die "Wahrheit" im Laufe des Films selbst erarbeiten. Bezogen auf diese Aspekte ist Scorseses Lehane-Verfilmung im Vergleich zu Nolans selbst geschriebener Abhandlung trotz einer deutlich weniger ernsten, sondern recht pulpigen Inszenierung übrigens schlüssiger und runder ausgefallen.

Inception kann auch mit den besten Werken Nolans - Memento, The Prestige und auch The Dark Knight - nicht mithalten, dazu wirkt er ein wenig zu steril und zu wenig original, darüberhinaus auch gar abstrus. Zudem ist das überaus gefinkelte Spiel mit den Ebenen Traum und Realität auch mittlerweile nicht mehr so aufregend, wie es vorgibt zu sein oder vielleicht einmal war. Obwohl Nolan sehr bemüht ist, kreativ zu sein und sich nicht zu wiederholen (und hier anstatt eines finalen Twists den Film augenzwinkernd, geradezu spöttisch offen lässt) und einen sehr ansprechenden, streckenweise furiosen Thriller geschaffen hat, ist gerade die Oberflächlichkeit ein Problem in einem Film, der offensiv vorgibt, so tief wie nur möglich gehen zu wollen, gleichzeitig aber nur eine zwar sehr unterhaltsame, aber recht kühle Spielerei bleibt.

Kommentare:

  1. Willkommen zurück :)

    Es ist schon merkwürdig. Obwohl sich eigentlich die meisten Leute über die Stärken und Schwächen des Films relativ klar sind, werden sie doch völlig unterschiedlich bewertet. Du möchtest dich (wie auch Chili Palmer, der sowas im GF äußerte) von Nolan mit auf die Kinoreise mitnehmen lassen und fühlst dich gut aufgehoben in seinem Actionthriller. Ich kann meine Bedenken gegen die (auch von dir ja benannten) störenden Momente einfach nicht so beiseitefegen.

    Für einen simplem Actionthriller ist mir "Inception" einfach viel zu lang, als dass er mich über 148 Minuten fesseln könnte. Deshalb schiebt Nolan hier ständig diesen pompösen, nie erfüllten Anspruch vor sich her, mit "Inception" mehr zu liefern, als eben nur einen Actionthriller.

    Vergleichsweise hat mir "Shutter Island" auch besser gefallen, er kam mir etwas erwachsener vor im Umgang mit seiner Hauptfigur und deren Charakter, ihrer Vergangenheit. Obwohl auch hier: trotz Scorseses wie du schreibst schlüssigem Drehbuch und bis zum Schluss gehaltener Spannungskurve: für einmal Sehen ok, aber darüber hinaus?

    Das Merkwürdige dieser Filme besteht darin, dass sie aufwändig konstruiert, rästelhafte Ereignisse in der Psyche eines Menschen nachzeichnen, aber am Ende im Zuschauer eigenlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen (abgesehen von der flüchtigen, äußeren Reizüberflutung). Man erfährt bei der Begegnung mit diesen Filmen eigentlich nichts über sich und das menschliche Wesen im Allgemeinen. Also doch nur simple Blockbuster? Deine Schlussbemerkungen zeigen mir, dass du doch etwas enttäuscht warst, aber dich anscheinend trotzdem gut unterhalten hast. Beneidenswert, sowas gelingt mir nicht so oft.

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  2. Schön, gleich mal wieder willkommen geheißen zu werden. :)

    Für mich stellt es seit jeher kein Problem dar, einen Film ganz gut zu finden, auch wenn er mich nach dem Abspann kaum mehr beschäftigt, anscheinend sollte ich für diese Eigenschaft dankbar sein. ;)

    Inception habe ich ja denkbar knapp vor meinem Urlaub gesehen und daher hab ich alleine schon wegen eines anfallenden Textes immer wieder darüber nachgedacht...wie man allerdings an dem wenig in die Tiefe gehenden Text nun schon sieht, gibt der Film für mich kaum was her. Abgesehen von dem "Rätseln" natürlich, was auch im Freundeskreis immer gut ankommt und diskutiert wird. ;)

    Ich denke, so eine Wertung von ca. 7,5 drückt genau das aus: Inception ist schon ein deutlich überdurchschnittlicher und für meine Begriffe ganz und gar nicht simpler Thriller. Ich war über weite Strecken ganz schön gefesselt, das Ansehen machte Spaß und mir kam er auch nicht zu lang vor. Aber wie du sagst, es ist eben auch kein tiefgründiger Film, der einem viel gibt (es sei denn, man ist gerade noch sehr jung und sieht diesen Film, dann ist er sicher sehr beeindruckend ;) ).

    So etwas wie simple Blockbuster, ich behaupte jetzt einfach mal, dass "A-Team" so einer wäre, interessieren mich erst gar nicht, da finde ich Nolans Werk hier schon um Einiges ansprechender, auch wenn ihm etwas seltsam Misslungenes anhaftet.

    Dein erster Satz im letzten Absatz gefällt mir sehr gut, das ist sehr treffend. Aber ich kann eben solch sehr gut aussehenden und "oberflächlich" toll inszenierten Filmen wie diesen da kaum böse sein. Besser sie probieren es und sind wenigstens etwas spannender als die ganz simplen Thrillerchen... ;) Nolans eigener Anspruch spielt da für mich auch weniger eine Rolle und wirklich schlimme Fehltritte oder Ärgerliches hab ich in dem Film auch nicht gesehen. Er war mir nur auch schon irgendwie seltsam wurscht und dennoch hat er in meinen Augen dann doch etwas. ^^

    Deinen Text hab ich, auch urlaubsbedingt, noch nicht gelesen, werde das mal nachholen und vielleicht noch wo einhaken.. :)

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  3. Ich habe den leisen Verdacht, dass mir INCEPTION wie DARK KNIGHT mit jeder weiteren Sichtung weniger gefallen wird, weil einem dann immer bewusster wird, wie flach das Nolansche Universum letztlich ist. Allerdings hoffe ich, mich zu irren. Nach wie vor ist FOLLOWING mein Lieblingsfilm aus seinem Werk - dort hat er das meiste von dem, was er später mit dem x-fachen Budget gemacht hat, schon äußerst pointiert umgesetzt.

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  4. Witzig, Following hab ich erst vor kurzem gesehen und der gab mir rein gar nix mehr. Vielleicht ist es bei mir umgekehrt, das Simple an Nolan wird eher besser, wenn er es mehr aufbläht. ;)

    Zu den weiteren Sichtungen kann ich nur sagen, ich versteh es eh nicht, warum man solche "ganz ok" Filme dann noch öfter sehen muß. Ich fand ihn im Kino ziemlich gut, aber schon nicht mehr. Werde ihn vielleicht irgendwann nochmal anschauen, aber da fehlt mir erstmal Zeit und Interesse. Macht Inception aber deshalb nicht gleich zu einem uninteressanten Film. Zum einmal ansehen und darin eintauchen. :)

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  5. ich versteh es eh nicht, warum man solche "ganz ok" Filme dann noch öfter sehen muß.

    Zur zweiten Sichtung wurde ich seinerzeit genötigt. Und bei der dritten ist es noch einfacher zu erklären: Media Markt hat die Blu-ray für 5 Euronen rausgeramscht. Da konnte ich nicht wiederstehen :-)

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