2. Mai 2011

Enter the Void (Gaspar Noé) 6,62

ÜBERRUMPELND
HÄMMERN
DIE
CREDITS
TECHNODELISCH
AUF DIE
SINNE EIN





Gaspar Noé ist zurück; eine gefühlte Ewigkeit nach seiner Düsterprovophilo-trilogie Carne, Seul contre tous und Irreversible, Filmen, die bei aller Angreifbarkeit so roh und so aufregend waren, dass die Erwartungshaltung bei diesem Mann durchaus hoch sein darf.

ETV ist dann auch ein gigantisches Projekt, das trotz unentwegt drehender Kamera blöderweise nur alles andere als mind-blowing, -fucking oder gar -erweiternd ausfällt, jedoch ist Noé schon einiger Respekt zu zollen, diesen Todestrip so aufwändig durchzuziehen und (sanft!)radikal-ausschweifend ins Kino zu bringen. Der Inhalt ist halt das große Problem, die Geschichte viel zu simpel, naiv und belanglos, das Seelen-Umherschweifen zieht sich wie Kaugummi (und ist im Mittelteil tatsächlich fast so mühsam, wie es Christoph Huber erlebt hat): man kann hier kaum von Spaß, Unterhaltung oder gar Spannung sprechen und dennoch ist dieser Film alles in allem - und vor allem zum wirklich abgefahrenen, tatsächlich noch so etwas wie berauschend-hypnotisierenden Ende hin - eine ungewöhnliche Kinoerfahrung, ein Trip, den etwa Kubrick und Jodorowsky schon viel viel besser hinbekommen haben, aber das ist auch ewig her. Auch wenn Enter the Void insgesamt nicht wirklich gut, sondern höchstens hin und wieder richtig faszinierend ist: Dass es diesen Film und so einen Irren wie Noé gibt, ist schon beruhigend.

Kommentare:

  1. Da ich nach eineinhalb Stunden annahm, der Film sei zuende, dieser jedoch meine Annahme noch eine Stunde lang negierte, ging mir das Ganze zunehmend auf den Sack.

    Bei der intravaginalen Einstellung habe ich mich übrigens selbstlos als Schwanzdouble zur Verfügung gestellt.

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  2. Das Review ist vorzüglich dazu angetan meine Unentschlossenheit zu fördern, ob ich diesen Film doch noch sehen soll. Am besten gefällt mir deine weise Bemerkung, dass es gerade die Gegenwart der Irren ist, die zur Beruhigung ob der permanent auf einen einstürzenden sogn. Kinonormalität beiträgt, die einen ansonsten in den Wahnsinn triebe. Andererseits: wenn der Film schon dem telefonbuchgestählten Paul eine Hirnnahtoderfahrung bringt, wie mag er dann auf mich wirken? Und schließlich: warum kommen dann doch immerhin/nur 6,62 raus? ...So könnte ich noch 162 Minuten weiter hin und her überlegen, ohne dem Schatten einer Entscheidung auch nur nahe zu kommen.

    @Dirt: Den Job hast du nur bekommen weil ich zu der Zeit nicht konnte. Überlastung.

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  3. @ Sieben Berge

    Er bietet inhaltlich nichts, purer Style over Substance, experimentell, dies zwar interessant, aber irgendwann ziemlich ermüdend... ach, ok, so wird das nichts mit einer qualitativen Entscheidungberatung...

    Intravaginale Einstellung! HALLO!?

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  4. Spätestens für diesen, bitte nicht schadenfroh zu verstehen, dilemmatösen SB-Kommentar war es für mich auf jeden Fall schon mal wert, sich den Film anzusehen. :D

    Da ich aber annehme, dass er nicht mehr im Kino zu sehen ist, dürfte er an einem weniger idealen Ort noch weiter verlieren..

    Hirnnahtod war es vielleicht noch nicht, aber vielleicht war es tatsächlich die größte filmische Telefonbuchnaherfahrung! :)

    Dirt, warum du das annahmst, weiß ich jetzt nicht, jedenfalls war ich genau in dieser Phase auch fürhcterlich genervt und gelangweilt. In der Annahme, das würde jetzt einfach so weiter gehen, ohne dass noch etwas besonderes passiert, gefiel es mir gegen Ende dann noch überraschend gut (bei relativ unverändertem "schön blöd"-Empfinden), weil Kameraarbeit und Montage immer mehr zu etwas faszinierendem kulminierten, das die Ermüdung für mich wieder aufhob.

    Vielleicht war es aber auch nur die Freude, endlich mal wieder einen Pimmel auf der Leinwand zu sehen, den du nicht gedoublet hast, die mich den Film doch noch ein ganz kleines Bisschen ins Herz schließen ließ!

    Die Frage, ob man diesen Film nun ansehen sollte oder nicht, lässt sich einfach nicht befriedigend beantworten - auch das gefällt Noé sicher sehr! - und mir auch ziemlich gut, höhö. ;D

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  5. @Paul: Du solltest meine Telefonbuchnaherfahrungen nicht unterschätzen. Als ich so etwa in deinem Alter war, habe ich auch mit Fleiss das lokale Telefonbuchvorführungskino besucht. Ich erinnere mich an eine schier unendliche lange Vorführung von Tarkowskis "Nostalghia". Rings um mich verendeten reihenweise Menschen im Kino, doch ich brachte das vollen Opfer für die Kunst und hielt durch ;)

    @Dirt:

    ???
    Ich versteh' nur noch Vagina.

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  6. Etwas anderes hätte ich auch nie von deinem jüngeren Du erwartet! :)

    Aber Tarkowskij ist auch Grund- und nicht bloß Telefonbuch! ;)

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  7. Der frühe Tarkowski, ja. Der späte hat ziemlich häufig im Telefonbuch geblättert und gewählt, wo es dann hieß: Kein Anschluss unter dieser Nummer ;)

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  8. @Sieben Berge

    Ich meine, Sex sales doch immer. Also angucken und dann verstehst Du vielleicht auch mehr als jetzt.

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  9. Das heißt also, ich sollte definitiv auch mal versuchen, den Hrn. Sp.-T. zu erreichen. Habe nämlich noch gar nie mit dem gesprochen...

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