12. September 2011

No One knows about Persian Cats (Bahman Ghobadi) 8,05




Gewitzter, subversiver Streifzug durch den musikalischen „Underground“ des Iran: Zwei Musiker wollen eine Band gründen und dann ins Ausland gehen, auf der Suche nach Gleichgesinnten klappern sie etliche Bands sämtlicher Musikstile ab, die Ghobadi immer spielen lässt und - musikvideo-artig, rasend - Bilder aus dem Alltag des Iran dazu montiert. Der Film hat eine positive, revolutionäre Grundstimmung, die nach einer Weile zum Mitschwingen einlädt. Ghobadi, ein außergewöhnlicher Filmemacher solch großartiger Werke wie Die Zeit der trunkenen Pferde und Schildkröten können fliegen, gibt natürlich auch den tristen Seiten der (lokalen) Welt einen Platz (und singt auch, wie man erst im Abspann realisiert, selbst im Film, richtig rauh und melancholisch).

Etwas schade sind die finalen Minuten, in denen plötzlich handlungslastige Tragik eher aufgesetzt wirkt und das flotte Feeling des Films durch langsames Tempo ersetzt wird: nicht ganz gelungen und nicht ganz zum Rest passend dieses Ende. Dennoch ist dies einer der besten Musikfilme, die man sich vorstellen kann, wegen seines frechen politischen Grundtons und weil er die Bandbreite toller Musik, von Akustikballaden zu Metal, von Rap zu folkloristischer Musik, vom Blues zum Indie Rock vermittelt; ideal für einen entspannten Abend, bei dem man zusätzlich ein vielleicht noch ungekanntes Gefühl für ein arabisches Land und Leute bekommt.

11. September 2011

Midnight in Paris (Woody Allen) 5,40




Aus der sehr charmanten Idee eines geplagten Schriftstellers, der in Pariser Nächten auf Literatur- und Kunstgenies der Vergangenheit trifft, macht Woody Allen im Detail leider eher wenig. Der Witz der Gegenwartshandlung um Frau, Schwiegereltern und Nebenbuhler fällt auch flach oder zu bekannt aus, gerade im Vergleich zu den vielen besseren Werken des alten Helden des Neurotikerwitzes. Ob die Darstellung der zahlreich auftretenden Promis wie Fitzgerald, Hemingway oder Dali gut gelungen/parodistisch ist oder nicht, mag ich nicht beurteilen, jedoch bleibt eher der Eindruck eines flachen Schaulaufens.

Besonders witzig ist das alles nicht, durchaus aber romantisch in jedem Sinne. Owen Wilsons Flanieren durch die nächtlichen Straßen, sein Eintauchen in eine besondere Welt, das macht Laune und man kann sehr beschwingt aus dem Film gehen, obwohl er eigentlich ziemlich mittelmäßig ist. Am Ende ist immerhin die Idee mit dem weiteren Zeitsprung witzig.

10. September 2011

Die Liebe der Kinder (Franz Müller) 7,43




Ein Beziehungsfilm, der bzw. dessen Liebespaar sich besonders unkonventionell gibt. Was der fast schon avantgardistisch abgehackte Stil alleine jedoch nicht schafft, vermag die zweite Ebene an Profil einzubringen: Als sich die Kinder der Verliebten auch noch verlieben, gerät die Welt der zuvor so „coolen“, alles andere als biederen oder verklemmten Eltern aus den Fugen…

Die wesentlich bodenständigeren Erziehungsfragen und zu bearbeitenden Eltern-Kind Beziehungen, die sich daraus ergeben, sind das Spannendste am Film; wie Müller die eigentliche Beziehung der Erwachsenen inszeniert, ist schon auch sehenswert und manchmal sehr intensiv, doch es bleibt neben allem, in dem der Film schon toll ist, halt auch ein wenig das Gefühl von Künstlichkeit und allzugroßem Bemühen, besonders ausgefallen zu sein.

6. September 2011

Cars 2 (John Lasseter & Brad Lewis) 7,44




Nach den coolen Käfern, Monstern und Unterwasserwesen schienen sprechende Autos von Pixar vor ein paar Jahren eher blöd denn cool zu sein und der erste "Cars"-Teil besaß vor allem auch bei weitem nicht die Originalität und den Irrwitz seiner Firmenkollegen. Dennoch war der Film aller Skepsis zum Trotz charmant und auf simpel-gutmütige Art gelungen. (Die detailverliebten, immer sympathischen Pixar-Produktionen sind Konkurrenten a la Rio ohnehin fast immer überlegen.)

Der zweite Teil beginnt wie James Bond mit Autos: man hat sich bereits an das „everything goes“ gewöhnt und kann fortan den ulkigen Nonsens genießen. Dass das eher amerikanisch-Provinzielle mit der weiten Welt und den übrigens atemberaubend und Kieferschluß-verunmöglichend animierten Schauplätzen in Japan und Italien (sowie einer kurzen, ganz netten Klischeeparade in Paris) ersetzt wurde, lässt den Film nochmal unterhaltsamer und ansprechender werden.

Leider wohnen dem Auto-Rennen-Geblödel (das sich natürlich nicht annähernd auf wahnwitzigem Ricky Bobby-Niveau befindet) teilweise auch schrecklich abgestandene Klischees und allzu dümmlicher Humor inne, doch andererseits entschädigen die Rasanz (und Spannung) der Rennen sowie der parallel montierten Spionagestory dafür deutlich – Cars 2 ist sicher nicht der faszinierendste Pixar-Output, macht aber eine Menge Spaß und sollte mit Einschränkungen für alle Fans von turbulent-kindgerechter, aufwändig animierter Action-Komik sehr sehenswert sein.

4. September 2011

The Man from London (Béla Tarr) 6,71




Ein richtig sperriger Film des Königs der Ultra-Langsamkeit, der elend langen Kamerafahrten: dieser sehr spezielle Stil machte schon den faszinierenden Vorgänger Werckmeister Harmoniak anstrengend, an den über 7-stündigen Satantango mag man gar nicht denken. Auf Plotebene scheint dieser Film (ein Krimi nach Georges Simenon) eher simpel gehalten und damit in Kombination mit der quälenden Langsamkeit schon früh zu verlieren – im Kino würde man so etwas vielleicht kaum ertragen. Doch zuhause vor dem Fernsehgerät (in diesem Fall unter Begehung einer cineastischen Todsünde namens leichtem Vorlauf und Einlegen von Pausen) kann der Film nach einiger Zeit doch noch erfreuen; während Tarrs ständige Spiele mit Licht und Schatten des in sehr elegantem Schwarz-Weiß gedrehten Werks ohnehin faszinieren, kommt mit Fortdauer tatsächlich noch Schwung (naja, so etwas wie S..c..h..w..u..n………g) hinein; initiiert vielleicht von einer unerwarteten Tanzszene wird man aus der Apathie geweckt und weiter "gefesselt" durch die hypnotische Wirkung des Filmens schrulliger Gesichter, die (während getragener Dialoge und dazwischen) leiden und ihr Leid reflektieren, ist dem Werk noch Einiges abzugewinnen, auch wenn man den Plot vielleicht aufgrund vorhergehender Zuseh-Qualen schon gar nicht mehr zur Gänze fassen kann. Schlußendlich schaut man diese mehrsprachige Ultrazeitlupenkunst doch noch zu Ende und da offenbaren sich immer mehr die Qualitäten in Tarrs originell-tiefschürfender Inszenierung eines „gewöhnlichen Krimis“: die existenzielle Tragik der Figuren bleibt haften und beeindruckt.

3. September 2011

Interludium - Crichton, Mulcahy, E.Roth

Westworld (1973) 8,45

Kultige Sci-Fi Satire auf Menschen, die im Urlaub ihre Fantasien ausleben und dabei Roboter ausbeuten dürfen. Die sich schönerweise irgendwann rächen und richtiggehend Amok laufen. Der Film ist nicht besonders dicht, eher locker unterhaltsam. Extrem interessant sind aber Yul Brunner bzw. diverse Vernichtungsszenen am Ende als offensichtliches Terminator-Vorbild!


Highlander (1986) 7,88

Grenzgeniales Trashvergnügen - lag vielleicht zu mehr als 50% an der deutschen Synchronisation, vor allem des ständig schrecklich grunzenden(?) Bösewichts. Doch auch die Blicke und Gesten von Lambert in den Highland-Szenen sind göttlich. Inszeniert ist der Film ziemlich cool, die Kamera wie auf Drogen - Mulcahy enorm ambitioniert, extravagant zu sein. Die Mischung aus epischen Kampfszenen, Terminator-Kopie-Anteilen und herrlich naiven (Story-)Elementen sorgt für mächtigen Spaß.


Hostel 2 (2007) 5,31

Im Prinzip der erste Film noch einmal mit ein paar guten Ideen, die Roth sozusagen zu spät gekommen sein dürften. Es bereichert das kleine Hostel-Universum zwar (satirisch), dass der Fokus mehr auf die Kunden gelegt wird, und auch die schaurigste/ansprechendste Szene des Films mit der Blutbadewanne (sowie vielleicht noch die klamaukigste mit der Kastration) sind sehenswert, doch sie rechtfertigen ein sonstiges schlichtes Aufwärmen und zunehmend langweilendes Wiederholen des ersten Teils halt kaum.

2. September 2011

Unten Mitte Kinn (Nicolas Wackerbarth) 6,93



Wenn man so wie ich diese typische Theater-Atmosphäre, dieses Gehabe kaum ausstehen kann, dann scheint dieser Film zunächst auch nichts zu sein. Die Akteure präsentieren sich anfangs noch extra unsympathisch und nervig. Doch Wackerbarths Film erreicht irgendwann diese Schwelle, an der man dann vielleicht doch nicht abdrehen mag: er entwickelt einen Sog. Das Ebenenspiel mit einem dokumentarisch wirkenden Film über Schauspieler, die immer wieder Szenen proben und bei denen es vielleicht auch dazwischen darum geht, anderen etwas vorzuspielen, ist sehr geschickt angelegt. In den besten Momenten (die sich mit Verlauf immer mehr häufen) ist eine angespannte Stimmung spürbar, fast so als ob man sich in einer Art Horrorfilm befände, in dem jederzeit etwas Grausames passieren könnte (vielleicht könnte man bezüglich Look und Stimmung sogar eine ferne Verwandtschaft zu Black Swan attestieren, natürlich ohne jegliche Fantasyelemente).

Selbst wenn einem diese Theater(stadl)welt an sich also eher fremd ist und das Getue peinlich anmutet, fesseln die Figuren und ihr Schicksal, man erkennt die Qualität, die Wackerbarth subtil in diesen oberflächlich total glanzlosen, aber gerissenen Film einflicht. Das Ende ist überraschend, witzig, frech und unverschämt offen. Abgangsapplaus nach anfänglicher Skepsis!