7. Oktober 2010

Aufschneider (David Schalko) 7,60




Schalko, der in Österreich durch das Erfinden und Umsetzen der wahnwitzigen Sendung ohne Namen sich einen ebensolchen als kreativer Geist und Garant für gewitzt-moderne TV-Unterhaltung gemacht hat, schrieb mit der lebenden Legende Josef Hader diese Komödie, die ursprünglich als kleine TV-Serie auf Sendung gehen sollte, dann aber als jeweils 90-minütiger Zweiteiler ausgestrahlt wurde.

Irgendwo zwischen der Absurdität von Scrubs (wenn auch nicht ganz so amerikanisch schräg) und dem morbid angehauchten Zynismus des Hader-Films Komm, süßer Tod (und zig weiteren Spielarten der Komik) spielt sich diese sehr lustige Pathologenklamotte ab.

Die blöden Schmähs, der zuweilen (hell)schwarze Humor und die oft herrlich derben Sprüche rattern hier meist im Sekundentakt dahin, und die (auf dem österreichischen Markt) vielen bekannten Komiker bzw. Schauspieler, alle mit sehr viel Spaß bei der Sache, sorgen durch ihre Präsenz und Spielfreude eh schon für die halbe Miete. Bei enorm vielen Witzversuchen über 180 Minuten sind natürlich auch immer wieder weniger gelungene dabei, aber selbst das wird dann mit so einer Überzeugung vorgetragen, dass es trotzdem schon wieder lustig wirkt.

Ärzte kriegen hier natürlich ganz besonders ihr Fett weg, aber auch Mann/Frau – Probleme, Mißverständnisse und Rollenbilder sind ein heißer Aufhänger für Gemeinheiten, überhaupt sind die Männer die größten Witzfiguren (wobei Radio- und TV-Moderator/-komiker Oliver Baier als grenzdebiler Macho-Primar zwischen sehr köstlich und leicht daneben schwankt). Bei den Frauen dagegen wird (auch schauspielerisch) etwas tiefgründiger gewerkelt: Pia Hierzegger, die schon beim Knochenmann unvergessliche Szenen mit Hader hatte, überzeugt mit ihrer herrlich lethargischen Körper- und Gesichtskomik und die großartige Ursula Strauss bringt überraschend schon auch mal quasi aus dem Nichts der Blödelei enorme Dichte und Beklemmung mit ein: bei den Aufschneidern hat so ziemlich alles Platz, sogar Deutsche und solche, die sich erst im Twist als solche entpuppen!

Nach insgesamt fast 3 Stunden geht gegen Ende dann dramaturgisch schon etwas die Luft aus, aber immer wieder kommt dann so ein super(blöder/lustiger/zynischer) Spruch von Co-Autor Hader daher oder eine böse Szene, z.B. wenn der Pathologe sich selbst einen Knoten aus der Brust schneiden versucht, weil er den anderen Chirurgen nicht vertraut. Hinter all der leicht bekömmlichen und offensiv schenkelklopferprovozierenden Komik steckt bei Aufschneider also immer auch einiges an subversiver Groteske.

Kommentare:

  1. Ein toller Tipp - herzlichen Dank! Auch für diesen schönen und höchst interessanten Blog, den ich ab sofort mitverfolgen werde und den ich bereits in meine Blogroll aufgenommen habe!

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  2. Ist der "Aufschneider"-Film, den Du vor kurzem erwähntest?

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  3. @ gabelin: Vielen Dank für die Blumen. :)

    Ein Stummfilmblog ist auch eine sehr tolle Sache! Ich nehme an, Sie kennen auch die schöne arte-Reihe, die Montag Mitternacht Stummfilme zeigt..

    @ Dirt: ja genau, der ;)

    Es gibt übrigens auch eine deutsche Produktion, die sich "Die Aufschneider" nennt, bitte nicht verwechseln ;)

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  4. Leider besitze ich keinen Fernseher, ich schaue nur DVDs, am PC; von der arte-Reihe habe ich aber natürlich viel gehört.

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  5. Ein Leben ohne TV, für mich immer noch unvorstellbar. ;)

    Viele arte-Sendungen (bei den Stummfilmen weiß ich es jetzt nicht genau) kann man übrigens auch übers Internet noch eine Woche ansehen.

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  6. Ah, danke für den Tipp - da mache ich mich mal auf die Suche im www!

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  7. Also jeweils eine Woche nach der Ausstrahlung, so wars gemeint. ;)

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