5. März 2010

A serious man (Joel & Ethan Coen) 7,44




Es ist gewiss kein serious film, den uns die Coens hier präsentieren. Die Geschichte des jüdischen Physikprofessors, der vom Pech verfolgt, von Schicksalsschlägen geplagt ist (ja vielleicht sogar unter einem Fluch leidet, wenn man über den Prolog spekulieren möchte), haben sie als absurden Spaß angelegt. Und spaßig ist es dann auch, dennoch hat die Geschichte von Larry Gopnik eine gewisse Tragik inne, die A serious man von flachen Skurrilitäten-Komödien definitiv abhebt.

Aber, und vielleicht ist das der Grund, warum mich der Film nicht restlos überzeugt hat, das bittere Schicksal dieses eigenartigen Mannes wird von den Coens zu sehr fürs Amüsement ausgenutzt, empathisch für seinen Hauptcharakter kann man dieses Werk nicht gerade bezeichnen. Andererseits liegt es ja auch wieder sehr im Auge des Betrachters, inwiefern einem die Geschichte nahe geht oder der Typ leid tut und dafür geben die Coens wiederum genügend Raum.

Jedenfalls besitzt der etwas seltsame Film fast durchwegs eine souveräne Originalität in Optik und Erzählung und eine Qualität der Absurditäten, die ihn sehenswert und unterhaltsam machen. Dennoch bleibt ein ganz kleines, schwer zu beschreibendes, unbestimmtes Gefühl der Leere zurück und auch ist der Film nicht immer so schreiend komisch, wie er es vermutlich gerne wäre: mit den besten Coen-Werken kann A serious man meiner Ansicht nach nicht ganz mithalten.

Burma VJ (Anders Østergaard) 8,65




Der Untertitel Reporting from a closed country kündigt bereits die eminente Bedeutung der im Untergrund arbeitenden birmesischen Journalisten an, die mit versteckter Kamera die Schrecken des Militärregimes bzw. den Widerstand der Bevölkerung aufzeichnen und die Aufnahmen unter widrigen und äußerst gefährlichen Umständen der Weltöffentlichkeit zukommen lassen.

Østergaards Film bereitet anhand dieser Aufnahmen und geleitet von der Stimme eines Anführers der journalistischen Untergrundbewegung die Ereignisse rund um die großen Protestversammlungen im Spätsommer 2007 auf; er liefert bewegende und unmittelbare Einblicke in ein Land der Unterdrückung und Zensur und verdeutlicht auch, wie die modernen Technologien selbst Lebensbereiche wie den mühsamen und vielleicht aussichtslosen Kampf gegen derartige Regimes immerhin bereichern können. Doch wo der Mensch mit System und mit Gewalt unterdrückt, helfen letztendlich die modernen Medien(möglichkeiten) auch nicht allzuviel.

27. Februar 2010

Sukiyaki Western Django (Takashi Miike) 2,80




Ich freue mich ja auf jeden Film von Miike und selbst den schwächsten gesehenen Werken wie Full Metal Yakuza und zuletzt Crows Zero konnte ich noch durchaus Positives abgewinnen. Leider ist Sukiyaki nun der erste komplett verhunzte mir bekannte Film des exzentrischen Japaners.

Der Vergleich zu Crows Zero drängt sich auch gleich auf, ist doch hier wie da der Film von einer Unmenge von supercoolen Typen vollgestopft und es geht in erster Linie um zwei verfeindete Clans, die sich bekämpfen.

Bei Sukiyaki Western Django (schon der Titel ist mehr dämlich als sonstwas) ist aber bereits der Beginn viel zu überladen mit lauter Charakteren, deren Stilisierung auf extravagant in dem Fall einfach nur anödet. Vermutlich gab es in den letzten zehn Jahren (zu einem Großteil eben in Miikes Filmen) schon zuviele durchgeknallt-abgedrehte „bunte Hunde“-Japaner zu sehen und irgendwann ist dann auch wieder gut. Und dann wird die Geschichte auch noch sehr komplex ausgebreitet bzw. erzählt, aber wenn ein Film es gar nicht schafft, beim Zuschauer für diese Geschichte und die Figuren Interesse oder Gefühle zu wecken und sich keine Faszination einstellt, dann vergeht jenem auch die Lust, sich anzustrengen und den komplexen Verstrickungen zu folgen…

Während bei Crows Zero (5,55 Punkte) die Gestaltung des Schauplatzes Schule als fast apokalyptisch, zumindest comichaft wirkend noch großteils ein Gefühl der Originalität vermitteln und somit die Überlänge des Films und die vielen mäßigen Passagen übertünchen konnte, muß man bei dem Westernsetting von Sukiyaki mit seinen überdrehten Charakteren eigentlich ständig denken: Das erinnert jetzt aber an Leone, Peckinpah, Corbucci, usw.. oder den wunderbaren Sasanatieng oder einfach nur den hohlen, aber spaßigen Raimi, die es alle geschafft haben, auf unterschiedliche Art, fantastische bis wenigstens brav unterhaltsame Filme auf die Beine zu stellen. Und nach denen sehnt man sich dann halt, während der total uninteressante “War of the Roses” mit seiner Vielzahl an platten Figuren auf dem Bildschirm seine Wannabe-superschrägen Kapriolen schlägt.

In einem der jenseits von gut liegenden Gastauftritte von Quentin Tarantino weist jener eine Frau zurecht, sie habe zuviel Zucker in das Sukiyaki gegeben. Dass diese Szene sich leider auch perfekt als Metapher für den mit klebrig-nervigen Zutaten ermüdend überwürzten und dadurch so gar nicht schmackhaften Film eignet, dürfte aber niemandem aufgefallen sein.

Vielleicht kann sich ja der eine oder andere von diesem Quatsch ganz gut unterhalten lassen, kann sein, dass mir das vor ein paar Jahren auch noch Spaß gemacht hätte, an diesem Abend und mit der Erfahrung von 11 oft superschrägen Miike Filmen war es mir quasi von Anfang bis Ende zu blöd und zu sinnlos. Und vor allem, eben bei weitem nicht so wirklich abgedreht, ausgefallen und faszinierend, wie es der Filmemacher in seiner Laufbahn schon öfter hinbekommen hat. Das Gute jedoch ist: der nächste Miike wird garantiert wieder komplett anders sein und damit vielleicht ja auch wieder erfreulicher als dieser Western-Quark.

9to5 - Days in Porn (Jens Hoffmann) 7,79



Doku über die gewaltige Pornoindustrie bzw. genauer das “Porn Valley” in Kalifornien aus einer ziemlich wohlwollenden Perspektive. Hoffmann stellt vor allem Personenporträts von angesagten Darstellern und Regisseuren in den Vordergrund, sein Film schneidet jedoch während der fast 2 Stunden Laufzeit viele Aspekte des gewaltigen Themas Pornographie und Gesellschaft an, denen man wahrscheinlich jeweils auch einen kompletten eigenen Film widmen könnte.

9to5 zeigt (wenn auch verhältnismäßig gering) die Schattenseiten des Mega-Business, jedoch andererseits auch starke, reflektierte Frauen; zufriedene Menschen wie du und ich; Außenseiter der Gesellschaft, die in diesem eigenen Universum ihren Lebensunterhalt verdienen.

Auch für skurrilen Humor ist gesorgt, durch einen deutschen Regisseur in Prag, der mit privaten und beruflichen Schiwerigkeiten kämpft und in breitestem Dialekt seine Lebensmelancholie sehr freizügig vom Stapel lässt.

Alles in allem ist 9to5 ein vielleicht etwas zu lockerer, aber kurzweiliger Einblick in eine höchst ambivalente, jedenfalls auch sehr faszinierende Szene.

26. Februar 2010

100 Feet (Eric Red) 3,75




Magerer B-Geistergrusel um eine Frau, die ihren Schläger-Ehemann aus Not umgebracht hat und nach einer Gefängnisstrafe noch 1 Jahr auf Bewährung unter Hausarrest (mittels elektronischer Fußfessel) im Ex-Haus steht (so weit, so doof), wo sie alsbald schon vom noch immer sehr gewalttätigen Geist des Toten heimgesucht wird.

Inspirationslos und oft auch billig plakativ wird die Geschichte solide, aber unoriginell heruntergekurbelt. Kurzweilig und relativ gekonnt inszeniert ist das Ganze zwar schon, aber das ist beim ichweißnichtwievielten Geisterfilm der Geschichte auch keine erwähnenswerte Leistung. Ich weiß auch gar nicht mehr, warum ich diesen Film in meine erlesene Watchlist aufgenommen (bzw. zu Ende geschaut) habe; ein 08/15 Videothekenfilm zum Vergessen, wie es viel zu viele gibt, da hilft auch keine Famke Janssen.

The Informant! (Steven Soderbergh) 7,52




Lange Zeit ist der Neue von Tausendsassa Soderbergh nur ein wenig aufregendes, humoristisch angehauchtes Spionagefilmchen, doch es lohnt sich auszuhalten, steckt schließlich doch mehr (Qualität und Unterhaltungspotential) dahinter als die ersten knapp 50, leicht faden Minuten zunächst andeuten.

Letztendlich liefert Soderbergh ein irres Porträt eines Mannes und seiner Geschichte, die, dramatisiert oder nicht, so typisch unglaublich ist, dass sie eben nur wahr sein kann. Vor allem aufgrund des Perspektivenwechsels während des Films ist der Informant für mich dann doch noch zu einem wie eigentlich immer gelungenen Werk des Vielfilmers Soderbergh geworden. Ich war gegen und nach Ende zugleich amüsiert und erschrocken und vor allem auch fasziniert, genau wie zwei der Filmcharaktere: es ist einfach eine gute Story, getragen von einer gekonnten, möglicherweise auch etwas zu souveränen und kühlen (coolen) Inszenierung. Der gewollt heiter klingende, die Geschichte manchmal fast ins Lächerliche ziehende Soundtrack ist vielleicht fehl am Platz und die erste Hälfte wie gesagt ziemlich unaufregend, ansonsten aber ein sich steigender, im Gedächtnis verweilender, sehenswerter Film. Trust me!

Up in the Air (Jason Reitman) 7,70




Ein Porträt eines Vielfliegers, eines Meilensammlers, eines modernen Businessman, der beruflich kühl Entlassungen durchführt und privat mit seinem recht hohl erscheinenden Leben - immer unterwegs, nirgends zuhause, nicht gebunden - eigentlich hochzufrieden ist. Clooney ist in der Rolle des ewigen Junggesellen auf jeden Fall sehr gut besetzt. Der Film entwickelt sich zwar leider in eine eher konventionelle Richtung, aber die öde Straße der Vorhersehbarkeit wird dann doch noch ziemlich gut umfahren.

Up in the Air ist schon ein sehr sympathisches Produkt. Witzige Sprüche, wortgewandte und lebhafte Charaktere, charmante Inszenierung, immer auch mit Empathie für seine Figuren. Vielleicht werden die Themen etwas oberflächlich behandelt, aber Reitmans Film ist nie flach, er lässt die Probleme seiner Figuren sich nie einfach so auf seichte Art in Wohlgefallen auflösen. Und auch Clooneys Figur bleibt ambivalent, sicher kein 08/15 Mainstream-Filmheld, sondern ein Charakter mit positiven sowie auch negativen Eigenschaften. Up in the Air zeigt schlußendlich einen modernen Mann auf der Suche nach seinem Lebenssinn. Das macht er auf nicht allzu tiefgründige, aber auf sehr charmante Art und Weise. Für einen lockeren Unterhaltungsfilm, so wie er sich meist anfühlt und gibt, besitzt Reitmans Juniors neuester Streich jedenfalls doch eine gewisse Portion Substanz.