28. September 2010

Samâ wôzu (Mamoru Hosoda) 7,10




Dieser Animé stellt alte japanische (Familien-)Traditionen und mögliche Zukunftsentwicklungen, nämlich das “Second Life” in einer gigantischen Internetplattform namens OZ gegenüber. Ein junger Mann, Mathegenie, wird unter einem Vorwand von einer Freundin gebeten, sie zum Geburtstag ihrer Oma zu begleiten (ihr Plan: ihn als zukünftigen Ehemann vorzustellen!), und während der schüchterne Junge dort in die Familientroubles gerät (welche übrigens selbst für japanische Verhältnisse leider ziemlich nervig ausfallen), knackt er irrtümlich den Sicherheitscode von OZ, indem er es für ein per Handy versandtes Matherätsel hält. Nun dringt eine künstliche Intelligenz in OZ ein und stürzt auch die reale Welt ins Chaos, später sogar viele in Todesgefahr…

Bemerkenswert an diesem Film, der seine Geschichte (leider?) relativ naiv, aber deshalb nicht gänzlich un-beklemmend erzählt, ist die flotte Darstellung der künstlichen Welt und der Kontrast zum realen Leben im Grünen. Das Hin- und Herspringen zwischen den 2 Universen ist gut gelungen, auch wenn die Darstellung der Familie, die mit (schüchternen) Heldentypen gespickt ist, wie gesagt eher nervt und auch deren Heroisierung und selbst übernommene Verantwortung etwas platt wirkt. (Auch wenn der Vergleich jetzt doch ein bißchen querbeet ist, aber die schräge Familie und ihr Kampf gegen eine Bedrohung in The Host war um vieles gelungener.)

So scheint es gar mehr als utopisch, dass sogar das gefürchtete Drücken auf den „roten Knopf“ eines Präsidenten über diese Cyberplattform gesteuert wird, aber gut, wir befinden uns hier ja schließlich in einem Sci-Fi-Animé (und in einer sich fast schon mehr an der Gegenwart orientierenden Semi-Utopie, was den Film trotz Schwächen stets faszinierend hält).

Das Tollste am Film eigentlich: das Zocken um Leben wird wie ein sportliches Ereignis inszeniert und von den Charakteren gelebt und erlebt; Beat 'em Up-Szenen im Kino, das macht durchaus Spaß (weil sich eben nicht das gesamte Werk darum dreht, wie bei diversen schrecklichen Videospielverfilmungen). Wie die Familienmitglieder diese Kämpfe gefesselt mitverfolgen, das überträgt sich auch auf den Zuschauer, man fiebert gerade gegen Ende schon gehörig mit.

Doch wie schon Hosodas letzter Film Das Mädchen, das durch die Zeit sprang ist auch Summer Wars streckenweise ein wenig zu naiv oder gar anstrengend (im Sinne von Geschreie) geraten, auch wenn das mit einem Humor unterlegt ist, der das schon wieder sympathisch macht. Und wieder geht es auch hier um pubertäre Unsicherheit, wenn auch im Vergleich zum Vorgänger mit etwas umgekehrten Geschlechterrollen; diesmal haben die Frauen das Heft in der Hand, während der junge Bursch mit Extremsymptomen der Schüchternheit zu kämpfen hat.

Beeindruckend an Summer Wars ist auch, wie die KI als finsterer Mega-Bösewicht, der aus Millionen von Avataren besteht, visualisiert wird. Und wenn dann beim Showdown um das Überleben im virtuellen Kasino Karten gespielt wird, ist das zugleich fesselnd und köstlich humorvoll.

Kommentare:

  1. Oh, den wollte ich auch noch sehen, habe es dann aber nur mit Ach und Krach und Umwegen in den "neuen" Miyazaki geschafft - zwei Jahre später auf deutschen Leinwänden, danke mal wieder, Mickey Mouse! :stinkfinger:

    AntwortenLöschen
  2. Ach...was sind schon 2 Jahre... :)

    Ich nehm das gar nicht mehr so wahr, da ich eh eine endlose Liste habe. ;)

    AntwortenLöschen
  3. Hm, nur 7,10... Dito, Brian, wollte ich auch unbedingt sehen, aber lief hier nicht in den Lichtspielhäusern. Stattdessen ebenfalls den Miyazaki mitgenommen. War schön wie immer.

    AntwortenLöschen
  4. Ja, mehr als 7/10 ist für mich da nicht drin, aber muß ja auch nicht. Nett ist er definitiv.

    Ponyo läuft bei uns gar erst Ende Oktober.. :)

    AntwortenLöschen
  5. Bei Dir, dem "Ich kucke auch mal vorgelesene Telefonbücher, sofern der Kunststempel drauf ist"-Menschen ist 7/10 ja aber schon ziemlich schlecht.

    AntwortenLöschen
  6. Wie mans nimmt. 7/10 ist immer "sympathisch". Und für jemanden, der alles kuckt und kennt, ist das mit Abstrichen auch immer noch guter Stoff...aber es gibt halt auch zig bessere Filme. ;)

    Du kannst ihn dir ruhig ansehen!

    AntwortenLöschen
  7. Werd ich auch, verdammt nochmal! Lass' mir von Bloggern doch nichts erzählen.

    AntwortenLöschen
  8. Jetzt aber wieder nach Hause, Kinder.
    Entschuldigen Sie bitte, lieber Hausherr, daß die Gören hier so laut rumtoben.

    AntwortenLöschen
  9. Gut, dass Sie endlich vom Transenpuff nach Hause kommen.

    Ich habs ja mit den Kleinen probiert, aber nehmen Sie sie doch bitte wieder mit, gnä Herr! Das ist ein Erwachsenenblog!

    AntwortenLöschen