13. Dezember 2011

Cut (Amir Naderi) 5,11




Ein sonderbarer, wilder, schmerzhafter Film – nur leider auch etwas blöd. Schläge einstecken für das wahre Kino – immer und immer und immer und immer und immer und immer und immer und immer wieder, das ist schon eine spezielle Grundlage für einen zweistündigen Film.

Es sei auch eine Hommage an das große japanische Kino von Kurosawa, Ozu und Mizoguchi, sagt Naderi; am ultra-eigenartigen, singulären Ende gibt es dann nach gefühlten 500 Schlägen noch letzte 100 – entsprechend der Top 100-Filme-Liste des Regisseurs (der Hauptfigur im Film) bzw. vermutlich Naderis eigenem Kanon. Das ist schon etwas Originäres, aber in seiner brutalen Konsequenz wirkt es gleichzeitig auch eher nerdig-kindlich-kindisch. Aber gut, so be it.

Die verzweifelten Schreie für großes und wahres Kino stellen natürlich auch eine Metapher für den Kampf um mühsame Film-Finanzierungen dar. Das eigenwillige Schmerz-Spektakel hat definitiv etwas, und es stört auch am wenigsten, dass Naderis Film so simpel und enorm konsequent ist (nämlich darin, die Zuseher zu quälen) – dieser hartnäckige Stil ist auch aus seinem vorigen Film, dem Meisterwerk Vegas: Based on a true story bekannt; so ist dem Kenner dieses Werks auch in "Cut" bald klar, dass hier die Kernelemente – Anbetungen der Regisseure, Filmscreenings, Schläge, Schläge, Schläge - bis zum Ende bestehen bleiben…

Man könnte dieses radikale Etwas durchaus positiver aufnehmen, aber wohl auch noch negativer; letztlich ist es aber auch bezeichnend, dass auf den Festivals, bei denen er gezeigt wurde, bzw. in dem Jahr als er entstand, zig bessere, „wahre“ Filme (ohne eine zwanghafte Reflexion anderer Filme und des Kinos an sich) liefen. Irgendwie erschließt sich sodann der Sinn des Ganzen nicht so ganz.

Natürlich ist auch die Verzweiflung ob des Untergangs der „Kinokultur“ nachvollziehbar, doch ist dies als Alleinantrieb für einen Film selbst ausreichend? Fakt ist, dass DAS KINO, nämlich aufregende, aufwühlende, großartige Filme weiterleben und auch ständig gedreht werden, notfalls auch ohne großes Budget – und auch ganz ohne den radikal-missionarischen Meta-Idealismus aus CUT…

Kommentare:

  1. Nachdem ich leider noch immer nicht zu einem Viennale-Rückblick kam, aber dieses Vorhaben tatsächlich noch nicht begraben habe, möchte ich meinem Plädoyer für den Film hier gar nicht vorgreifen, sondern lasse mich von deinem Eintrag lieber vor allem motivieren, dann auch tatsächlich selbst noch was zu schreiben. ;) Bin leider durch diesen ganzen Listenwahnsinn der letzten Wochen sowie sonstigen Stress zu kaum was gekommen, auch nicht dazu, hier noch ein paar andere deiner Viennale-Einträge zu kommentieren. Es sei zumindest versichert, dass ich sie lesenderweise interessiert verfolgt habe :) Und um das zum Abschluss doch loszuwerden: ich gehöre tatsächlich zu der mutmaßlichen Minderheit, die in "Cut" eine Steigerung gegenüber "Vegas" sieht, nicht zuletzt in Wahl und Einsatz seiner formalen Mittel. Weiteres dann hoffentlich irgendwann demnächst.

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    1. Eure Listenbeiträge sind ja wirklich der reinste Wahnsinn, natürlich positiv gemeint. Mir selbst brennt es auch schon unter den Nägeln, aber ich möchte einfach noch das Wichtigste sehen, sonst ist das so unbefriedigend. :)

      Ich habe es eh angedeutet: grundsätzlich mag ich diese Radikalität, gewissermaßen halte ich sie auch für absolut richtig und fantastisch, aber da schlug noch eine andere Seele in meiner Brust, die oft rief: "Warum eigentlich das alles?" :)

      Auch darauf gibt es natürlich Antworten, und diese wunderbare Cinephilie, die diesem Werk innewohnt, kann man gar nicht nicht mögen. Deshalb könnte ich den Film auch unter keinen Umständen als "schlecht" bewerten. Und auch wenn ich ihn nicht wirklich gut fand, wird er sicher immer im Gedächtnis bleiben - und im Idealfall auch ein ewiger Quell für Diskurs über Kino. Oder so... :)

      Und trotzdem sind mir ganz radikale Sachen "ohne Meta" oder zumindest nicht mit so einem argen Meta-Gehalt dann irgendwie lieber.

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    2. Abgesehen von dieser Diskussion um "Cut" ist aber eines völlig klar: Von Naderi muß ich unbedingt mehr sehen!

      Kennst du sonst noch was von ihm?

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  2. Ich musste meinen Rückblick jetzt nochmal auf nach die Berlinale verschieben, weil die morgen schon startet... ähem. Aber irgendwie, irgendwann...^^

    Von Naderi kenne ich außer CUT und VEGAS leider auch noch nichts. Da wäre eine Retrospektive eigentlich mal fein, nachdem er mit diesen beiden Filmen jetzt zuletzt ja insgesamt recht gut platziert war auf vielen Festivals.

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  3. Ja, das wäre lässig. Hab auf FB grade vom Berlinale-"Stress" und angeschlagener Gesundheit gelesen...dann wünsch ich dir alles Gute, der Spaß wird dann sicher wieder kommen :)

    Übrigens, hattest du bei dem Donzelli Film auch noch einiges Interessantes geschrieben, bei dem ich noch keine Antwort zustande gebracht habe. ;) Hatte schon mal angefangen zu tippen, war aber dann mit meinen losen Gedanken nicht zufrieden genug, um das zu posten..und dann war es irgendwann auch zu Tode prokrastiniert. :)

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