10. Januar 2012

Kokuhaku (Tetsuya Nakashima) 4,30




Ein sehr spezielles, irgendwo zwischen provokanter Künstlichkeit und versuchter/allzu gewollter „Kunst“, zwischen düsterem Ernst und fast kindlichem Humor pendelndes, nunja: Rachedrama. Irgendwie ist es noch faszinierend, dass man sich für den erzählten(!) Prolog eine gute halbe Stunde(!) Zeit nimmt, zugleich aber auch da schon etwas nervtötend.

Die Welt, die Figuren; in Geständnisse ist alles betont düster, doch – und das könnte der Hauptgrund für das Scheitern des Films sein – es mag sich, auch weil die Beweggründe und Handlungen und Figuren in dieser Welt sehr künstlich wirken, kaum echte Beklemmung einstellen. Die ewiggleiche Inszenierung mit per se ja ziemlich lässiger Musikuntermalung kann man vielleicht noch als künstlerisch gelungen, aber noch mehr als zäh und eintönig betrachten.

Inhaltlich ist der Film sowieso unbestreitbar krude und zwar richtig. All diese extremen Seelenschmerzen, all die Bitterkeit können auch darum (und auch wegen der künstlichen Form) nicht durchdringen, können gar nicht reinstoßen ins Herz, das Megapathos kann die Oberflächlichkeit nicht verbergen. Ein seltsames Ding, das in seinem genuinen Versuch, eine grimmige Geschichte kompliziert zu erzählen und dabei audiovisuell „formvollendet“ zu inszenieren, völlig implodiert – so gesehen wohl ein „perfekter“ Nachfolger zum seinerzeit ebenso schräg überladenen (und ebenso von anderen gemochten) „Sympathy for Lady Vengeance“.

Kommentare:

  1. Der Vergleich zu „Sympathy for Lady Vengeance" ist eine interessante Anregung. Danke. :)

    AntwortenLöschen
  2. Gerne ;)
    Ist mir eigentlich auch erst im letzten Moment beim Schreiben eingefallen..

    Ich habe es vor einiger Zeit schon goutiert, dass du den Film auch eher skeptisch betrachtest. :)

    AntwortenLöschen
  3. In der Tat ein interessanter Vergleich. "Lady Vengeance" mochte ich seinerzeit im Kino noch recht gern, aber nachdem Park den maßlos überkandidelten Stil mit "Cyborg" und "Thirst" nochmal weiter getrieben hat und seinen Kredit m.E. längst ziemlich verspielt hat (vor allem ersterer war damals eine herbe Ernüchterung, um nicht zu sagen, ein Schock), wage ich es lieber nicht, den vorerst nochmal zu schauen. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass ich "Confessions" nicht nur mäßig, sondern ziemlich grauenvoll fand. Die Penetranz des Films habe ich kaum ertragen und würde auch deinem Eindruck des Konstruierten zustimmen, diese Entfaltung immer neuer Perspektiven und Hintergründe, die meist recht aufgesetzt wirken und kaum wirklich was zur Sache tun, haben mir im Zusammenspiel mit der Musik-Verkleisterung dann nach der im bebilderten-Hörspiel-Modus schon alles ermüdend auserzählenden ersten halben Stunde dann den letzten Nerv geraubt. Ein Film, der sich tatsächlich für nichts außer ein effektvolles und überwältigendes Zudröhnen des Zuschauers zu interessieren scheint. :(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön gesagt. Das ist auch das Perfide an solchen Filmen, durch ihre Form faszinieren sie schon, aber wenn man es schafft, den hohlen (oder vielleicht noch schlimmeren) Kern zu erkennen, dann greift man sich eher an den Kopf.

      Was Park Chan Wookie angeht, wie ihn Chili Palmer immer nennt, wundert es mich fast selbst, dass ich mir "I'm a Cyborg.." nie selbst angesehen habe. Unter der Prämisse einer "Psycho-Komödien-Romanze" könnte sein überbordender Stil für mich vielleicht sogar noch eher funktionieren..auf der anderen Seite gibt es ja so einige derart negative Reaktionen auf den Film, und als er aktuell war, war das auch bei mir selbst eine Zeit des Übergangs...als jemand, der z.B. die Jeunet-Filme bis einschließlich "Mathilde" wunderschön findet, empfand ich spätestens danach eine ziemliche Sättigung auf diesem "extremen Bildpoesiefeld" (keine Ahnung, wie man das formulieren soll, aber Jeunet und Park hängen da in einer leicht verandten Kerbe, finde ich); habe mir auch "Micmacs" nicht mehr angesehen, weil irgendwann wird diese Tour auch fad.

      "Thirst" dagegen interessiert mich wieder etwas mehr...

      Übrigens hatte ich erst am Montag auch mit Sorrentinos "This must be the place" anfangs so meine Probleme (skurriler Humor trifft in jeder Szene kunstvoll ausgeklügelte Einstellungen und Kamerafahrten), doch von diesem Film ging immer mehr eine ganz eigene Faszination aus. Es liegt bei all diesen "extravaganten modernen 'Kunst'-filmen" nicht nur an der mir behagenden "melancholischen Langsamkeit", so eine besitzt "Geständnisse" um den Kreis wieder holprig zu schließen, auch irgendwie, sondern an einer gewissen (vielleicht authentischen) Grundhaltung.

      Ich weiß nicht, ob mich grade irgendjemand verstehen kann, muß auch abbrechen und dringend weg zur Arbeit.. ;)

      Löschen