2. November 2010

Interludium - de Andrade, Denis, Cohen

Diesen Blog habe ich Anfang des Jahres vor allem gestartet, um die schier unüberblickbare Vielzahl an neu erschienenen und auch wirklich sehenswert erachteten Filmen - von denen die besten leider zunehmend den meisten erst gar nicht bekannt zu sein scheinen - vorzustellen und zu besprechen.

Was übrigens als Arbeitnehmer außerhalb des Filmjournalismus eine ohnehin niemals bewältigbare Aufgabe ist, wie mir mittlerweile bewusst ist. :) Anyway, i try my best...

Selbstverständlich schaue ich aber auch regelmäßig ältere Filme, die ich ab heute auch noch hier besprechen möchte. Um jedoch das Hauptanliegen des Blogs nicht zu konterkarieren und die Überschichtlichkeit zu wahren, werde ich diese älteren Werke von Zeit zu Zeit jeweils in 3er-Gruppen als Interludium, also Zwischenspiel, zusammenfassen.

Los geht es also mit folgenden 3 Filmen:


Macunaima 8,1

Der Titel ist der Name des Antihelden, der Film beginnt mit dessen Geburt. Er fällt bereits als (nur physisch) "Erwachsener" aus Mutters Schoß zu Boden. So ist de Andrades Groteske von Beginn an enorm absurd. In den folgenden knapp 100 Minuten passiert unendlich viel Verrücktes, der Film wechselt mühelos Genres und Settings und erzählt eine weirde Coming-of-Age Geschichte, vielleicht am ehesten vergleichbar sogar noch mit Forrest Gump, oder nein, lassen wir diesen Vergleich lieber sein. Immer wieder geht es natürlich um Frauen (und Sex); und eine, nämlich eine Art männermordende Hexe beendet schließlich auch sein Leben. Zu diesem Film gäbe es sicher noch viel zu sagen, doch um den Rahmen nicht zu sprengen, nur noch eines: Bei all den kreativen Wahnwitzigkeiten ist er durchaus kurzweilig und hat auch gewissen Tiefgang, irgendwann aber ist das Ganze dann aber doch etwas ermüdend, vielleicht sogar etwas zu sehr "Stückwerk". Toll zum Ansehen, aber wenig, was nach dem Abspann übrig bleibt.


Beau Travail 7,2

Claire Denis inszeniert beeindruckend, opernhaft, mysteriös. Die Geschichte um eine Gruppe von Fremdenlegionären aber wird kaum greifbar, Entscheidendes wurde wohl auch absichtlich ausgelassen.. Mit der Zeit fand ich den Film immer weniger interessant, die Tragödie der Melville-Vorlage (mir nicht bekannt) vermag Denis nicht besonders gut erfassen, so scheint es zumindest. Ein durchaus interessanter, enorm sperriger, phasenweise atemberaubender, dann aber auch wieder zu kalt lassender Film.


Bone 8,7

Ein mieser Tag in Beverly Hills. Ein reiches, weißes Ehepaar am Pool. Plötzlich ein Eindringling, ein krimineller Schwarzer! Nervenzerrende Jazzmusik und ebensolche Inszenierung, ein klaustrophobischer Psychothriller a la Funny Games scheint sich anzubahnen. Doch bald schon dreht der Film ab, auf oft unglaubliche Art und Weise. Der meist unpackbar unpassende Humor, die Einfälle sind sensationell. Genau das Richtige für Leute, die glauben, schon alles an schrägen Filmen gesehen zu haben. You will be mind-raped!

Kommentare:

  1. Ich glaube, kein Blog macht mir so ein schlechtes Gewissen wie deiner. Mehr noch, er ist mein schlechtes Gewissen. Zeigt er mir doch jedes Mal, wie wenig Filme ich auch nur vom Namen her kenne, geschweige denn gesehen habe. Schau ich mir die Monatslisten meiner gesehenen Filme an, fällt mir immer stärker auf, wie "kanonlastig" (Mr.VV) sie sind.

    Jedes mal sage ich mir, ich muss meine Gewohnheiten ändern, nur um im nächsten Monat wieder resigniert hier zu landen.

    Aber irgendwann wird der Druck durch diesen Blog groß genug sein und ich wandle mich zum offeneren Filmseher, der seine Augen überall hat, zum idealen Filmfan sozusagen.

    Da, in weiter Ferne vermute ich die künftige, bessere Version von mir selbst. Durchs Hubble-Weltraumteleskop ist sie immerhin schon in Umrissen zu erkennen ;)

    Ne, mach nur weiter Paul. Die neue Rubrik ist eine gute Idee, möglicherweise kenne ich dann ja doch den einen oder anderen Film mehr :)

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  2. Eieiei, schlechtes Gewissen, idealer Filmfan...nicht, dass ich den Blog hier noch zusperren muß, um das Selbstbewusstsein anderer Blogger nicht völlig zu zerstören. ;)

    Da muß einfach jeder seinen eigenen Weg finden; wozu resignieren oder sich ändern wollen? Tolle Filme finden sich eh zuhauf in jeder Epoche und bei mehr oder weniger "Bekanntheitsgrad". Es reicht ja auch, wenn du dir die paar Highlights meiner Picks irgendwann mal ansiehst. ;)

    Und übrigens: Zu so großartigen, tiefgründigen Auseinandersetzungen mit einzelnen Filmen, wie es deine Art ist, wäre ich wohl gar nicht fähig. Dafür denk ich mir oft auch selbstkritisch: ich schaue nur noch am Fließband und eine intensive Beschäftigung ist dadurch kaum mehr möglich, aber es macht einfach Riesenspaß und da bin ich auch Geißel meines unstillbaren Interesses an allem, was es so gibt, so bunt gemischt wie möglich...

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