21. Januar 2011

Interludium - Geffen/Keret, Arnold, J.Reitman


Meduzot/Jellyfish 7,69


Ein Mini-Mini-Magnolia aus Israel. Zum Teil verträumt und poetisch, manchmal plätschernd. Drei verwobene Geschichten um Liebe, Sehnsüchte, mühsame Flitterwochen und ein tragisches Geheimnis. Wohin das alles führt, bleibt, was sehr angenehm ist, schwer vorhersehbar. Ein wenig spektakulärer Film, aber ein bisschen liebenswert ist er durchaus.


Red Road 8,32

Die tragische Geschichte von Jackie, einer Frau mittleren Alters, die für einen Überwachungskamera-dienst arbeitet, erschließt sich langsam: sie hat Kind und Mann verloren. Der „Mörder“ der beiden kommt nun aus dem Knast und Jackie, die das zufällig mitbekommt, verfolgt ihn zunächst mithilfe der Kameras, dann auch persönlich. Es ist eine Geschichte von Obsession und scheinbar unerklärlicher, gefährlicher Begierde. Ein echter Thriller, aber ohne klassische Zutaten wie dramatischer Musik oder künstlich stilisierten Spannungssequenzen. Stattdessen ist es auch ein authentisch anmutendes Arbeiter- und Proletarier-porträt aus Glasgow. Stark etwa, wie die Männer ambivalent gezeichnet sind: mal sensibel, dann aber plötzlich aggressiv.

Abseits dieses urbritischen Sozialdramen-aspekts irgendwo zwischen Sliver (die vielen Überwachungskameras plus der Sex), Blue Steel (Frau nähert sich gefährlichem Mann) und Fear X (wieder die Kameras und geheimnisvolle Obsessionen) liegend ist der Film zunächst ganz spannend, scheint aber nicht besonders viel Potential zu haben. Doch die letzten 20-30 Minuten zieht Arnold die Drehbuch- und Tiefgangsschraube an, das tiefe Trauma fügt sich schön ein und lässt das Werk stark aus- und nachklingen.


Juno 8,10

Reitman Juniors zweiter (von inzwischen schon drei) guter Film mit relativ intelligentem Humor, gelungenen Dialogen, netter und unverbrauchter Geschichte, gefühlvoller Inszenierung und sehr ordentlichen Schauspielern. Nachdem am Anfang mit der lässigen Musik etwas übertrieben wird, entwickelt sich ein positiver Film, der sicher nicht als Role Model für schwangere junge Mädchen taugt und so eine Teenie-Schwangerschaft auch nicht ernsthaft oder kritisch abhandelt, aber dennoch als gefühlvoll-gewitzte Feel Good-Unterhaltung gut tut.

Kommentare:

  1. Hui, mit 8,10 für Juno hätte ich nicht gerechnet, sowas hätte/hab ich mich nicht getraut ;)

    Der Film hat ja viele Verächter, aber es hängt in der Tat von der Messlatte ab, an der man ihn misst. Eine entspannte Haltung dazu halte ich letzlich auch für angemessener, als in diesem Fall den ganz großen Hammer auszupacken.

    Na mal sehen, ob auch dir der Gegenwind ins Gesicht blasen wird ;)

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  2. Ja, ich weiß schon lange, dass der Film von manchen scharf kritisiert wird. ;) Als ich ihn dann endlich mal angeschaut habe, war das aber schnell wieder verdrängt.

    Wie hast du das letztens formuliert, "die selbstgesteckten Ziele größtenteils erreicht". Ist hier ja auch so, egal was manche zu nörgeln haben. ;)

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