18. Januar 2011

TV-Serie: Breaking Bad (Seasons 1+2) 8,25




Buddy-Movie ist ein Filmgenre mit zwei Hauptcharakteren, die meist gleichen Geschlechtes sind. Der Begriff leitet sich vom englischsprachigen Wort Buddy ab, was so viel wie Freund oder Kumpel bedeutet. Die Akteure sind durch ein zwischenmenschliches Verwandtschafts- oder Bekanntschaftsverhältnis, ein Ereignis oder eine Situation zum gemeinschaftlichen Handeln quasi gezwungen, um die Lösung der verbindenden Problematik – meist am Ende der Geschichte – in Teamarbeit erreichen zu können.
Zum größten Teil werden für die handelnden Duos Personen verwendet, die bezüglich Weltanschauung, Herkunft, Temperament, Phänotyp, Statur, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf unterschiedlichen Stufen stehen. Der dadurch entstehende Konflikt zwischen beiden Personen und die Interaktion mit dem jeweiligen Gegenüber bietet unter anderem auch Spielraum für komödiantische Elemente... (Wikipedia)

So weit die Theorie. Wenn Walter White und Jesse „Yo!“ Pinkman Buddies sind, dann sind sie vielleicht eines der großartigsten Buddy-Duos der Film- und Seriengeschichte überhaupt. Jedenfalls sind es 2 großartig gezeichnete Charaktere, die von Bryan Cranston und Aaron Paul genial verkörpert werden. Der krebskranke, verbitterte Walter, der nach außen hin ein redlicher Bürger (ein Lehrer!) ist, in Wahrheit aber ein immer schrecklicherer Mensch wird und auf der anderen Seite Jesse, ein Taugenichts, ein Kleinkrimineller, ein Drogenmißbraucher, der im Vergleich zu Walter aber geradezu gutherzig und harmlos ist. Die Spannungen und Beziehungen zwischen den beiden sind wohl die hervorragendste Eigenschaft dieser tollen Serie.

Abseits davon überzeugt die düstere Grundstimmung rund um Walters Krebs (als Katalysator, aber natürlich nicht als Alleinursache seiner "Wandlung") und das ausgeklügelte Belügen seiner schwangeren Ehefrau. In diesen sich für authentisch anmutende Lebensfrustrationen viel Zeit nehmenden Szenen scheint sich "Breaking Bad" ein wenig an das revolutionäre Six Feet Under anzulehnen, obwohl die Serien sich – zum Glück – nicht wirklich ähneln. Zu groß ist dafür die enorm ausgeprägte Lust am Schrägen in "Breaking Bad". Die ständig wechselnden Autoren und Regisseure der einzelnen Folgen genießen es förmlich, jeder Folge einen individuellen Stempel aufzudrücken. Kuriose Stilelemente und komische, manchmal auch verstörende Abwandlungen von Gangster- und Drogenfilmklischees gestalten die Serie abwechslungsreich, frisch, frech und stets unterhaltsam.

Auch Cranstons wahnwitziges Schauspiel hat natürlich einen Bärenanteil am Besonderen dieser Serie. Wie er im Laufe der ersten beiden Staffeln immer ärger aussieht und immer härter wird, ist schon ein starkes Stück. Man muß als Zuseher sicher ein enormes Faible für Abseitigkeiten haben, um die Leidenstouren und die Gewalt, jeweils mit viel Absurditätssinn gewürzt, auf Dauer unterhaltsam und spannend zu finden. Doch der Serie (man darf auch Baking Bread sagen!) gelingt es, eine geniale Mischung aus all diesen irrwitzigen Ingredienzien zu finden und ein schönes Kapitel zum Thema amerikanisches Quality-TV hinzuzufügen.

Die Nebenfiguren fallen meistens etwas ab, ausgenommen natürlich Walts Schwager, der herrlich machohaft-cholerisch-lächerliche Hank, der aber ähnlich wie Jesse, im Grunde herzensgut ist. Ein komödiantisches Highlight (quasi aus dem Nichts kommend) ist auch der schmierige Anwalt Saul Goodman, der in der zweiten Staffel auftritt.

Breaking Bad ist auch deshalb so toll, weil die Balance gelingt, eine interessante, existenzielle, folgenübergreifende Handlung zu erzählen, obwohl sich jede Folge anders anfühlt und oft irgendeinen autarken Blödsinn treibt. So etwas ist selbst heute noch leicht innovativ und gibt der Serie einen eigenen Anstrich und verdammt viel Suchtpotential.

Wenige Gründe gibt es dann doch, warum hier trotz einiger Begeisterung keine höhere Wertung vergeben wird: Zum einen kann Walts eiskaltes, forderndes Gemüt im Laufe seiner Drogenkarriere zuweilen stark nerven; auch wie leicht es gelingt, in der Szene als gefährlich zu gelten, Konkurrenten auszuschalten und die Polizei um die Nase herumzuführen, wirkt manchmal etwas zu platt, auch aus einer ironischen Perspektive betrachtet. Und zum anderen sind es die schon angesprochenen blassen Nebenfiguren bzw. die daraus resultierende Absenz eines komplexen Serienuniversums, wie man es aus anderen TV-Epen fast schon gewöhnt ist. Breaking Bad ist eben im Grunde nicht viel mehr als eine Mischung aus ziemlich abgegrasten Gebieten: einem Buddy-Movie (in Serie) und schräg-düsterer Gangstergroteske. Aber eben mit allen angeführten liebenswerten individuellen Pluspunkten und noch Einigem mehr!

Kommentare:

  1. Kenne die Serie nicht, aber als ich auf der DVD-Hülle gelesen habe, dass Vince Gilligan Creator und Producer ist, war die Marschrichtung vorgegeben. Der Gute ist ja einer der profiliertesten X-Files-Autoren, unter anderem für die tolle Vampirfolge "Bad Blood" verantwortlich.

    Finde den Haufen an interessanten und anschauenswerten Serien mittlerweile zwar zu hoch (das geht alles von meiner Lebens-, äh, Filmguckzeit ab), aber eine mehr oder weniger oben drauf macht nun auch nichts mehr.

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  2. Jop, der Name sagte mir leider gar nichts mehr, und dieser nette X-Files-Link ist mir erst vor kurzem bewusst geworden.

    Den Haufen finde ich auch beängstigend, obwohl es doch eigentlich schön ist. In Sachen Serien bin ich normal ja auch ganz weit weg vom Schuß, ich möchte jetzt dann mal mit Seinfeld anfangen. ;)

    Aber bei BB war die arte-Ausstrahlung Gold wert, trotz Synchro. Kam ich mal in den Genuß einer aktuellen Serie. :)

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  3. Wenn du "Seinfeld" nicht gut findest, kannst du dich schon mal drauf gefasst machen, dass Crumb und ich ein Schönes-Wochenende-Ticket lösen und dich töten kommen.

    Naja, vielleicht.

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  4. Mit irgendwas muß ich euch ja auch mal in den Süden locken. Aber das wird mich schon erfreuen, da mach ich mir keine Sorgen.

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