6. Juli 2011

The Tree of Life (Terrence Malick) 7,44




Ein in vielerlei Hinsicht gigantischer Film (auch was den Rummel um ihn herum angeht), doch insgesamt fällt das Resümee leider nicht begeistert aus, auch wenn Malick erfreulicherweise wieder deutlich besser ist als zuletzt mit The New World. Dass The Tree of Life aber wiederum nicht an die exorbitante Klasse der genial philosophierenden Kriegsmeditation The thin red line heranreicht (in dem Malick die Verbindung aus dem superben Gefühl für 'Natur filmen' und existenziell-tiefgründiger Unterlage bis jetzt am besten hinbekommen hat), liegt weniger an den fantastisch dahinfließenden Bildern, sondern am inhaltlichen – der mystisch-sakralen Grundstimmung des Films geht irgendwann die Luft aus, spätestens bei einem mehr als nur grenzkitschigen Ende.

Dennoch ist der Film die meiste Zeit ein Kinoerlebnis, lädt zum Staunen und wohlfühligen Grinsen ein: Opernhaft-schwelgerisch holt Malick im ersten Teil sogar evolutionär aus, um den Zuschauer auf eine grandios bebilderte, an experimentelle Filmkunst erinnernde Reise mitzunehmen, die allerdings außer großen Schau- und Hörwerten nicht besonders viel Tiefgang aufweist. Der zweite Teil verbindet diese wichtigen Elemente eines guten Films besser, und zwar mit einem unglaublich eleganten Bilder- und Bewegungsfluß (Malick kommt fast zweieinhalb Stunden quasi ohne Dialoge aus). Am schönsten ist an diesem Film vermutlich die Entwicklung des Kindes: fast körperlich spürbar macht die Kamera das unbeschwerte Herumtollen, große Momente für Kinder und Eltern auf der Leinwand transportieren Emotionen direkt in die Seele des Publikums, das ist schon beeindruckend und fast hypnotisierend, wenn auch diese „Reise“ niemals wirklich grundlegend originär ist. Außerdem stellt sich dann doch irgendwann Übersättigung ein und es beginnt das Nachdenken, was dieser (streckenweise, zumindest im Vorfeld überhypte) Film abseits seiner „sensorischen“(?) Extraklasse eigentlich (erzählen) will…

Und dann ist da eben noch dieses Ende. Tja. Wobei die letzten beiden Einstellungen ziemlich cool, weil ambivalent sind. Man könnte eigentlich, doch wirklich lange will man sich kaum Gedanken dazu machen. Dazu war der naiv-kitschige Anteil davor zu aufdringlich.

Rückblickend erfreut an diesem Werk vor allem die streckenweise großkotzig-schöne Seelenverwandtschaft zu Kubrick (bzw. seiner Space Odyssey), und die Parallelen zu Reygadas' ähnlich naturmystischem Stilles Licht fallen auf. Vielleicht kann man The Tree of Life am ehesten als sehenswertes Kinoerlebnis (in einem gänzlich anderen Sinne von überwältigender Optik als z.B. Michael Bays "Transformers" Filme) ohne wirklich profunde Bedeutung beschreiben. Gut möglich andererseits, dass es viele Leute gibt, denen dieser Film viel bedeutet, die in ihm etwas mystisch-spirituelles erleben. Doch die biblische Geschichte und Ausrichtung, dieses Streben nach ganz oben, ins ganz Große macht den Baum des Lebens im Vergleich mit auf bodenständigere Weise mitreißenderen Kinogeschichten vielleicht doch etwas kleiner als Rummel und Auszeichnungen uns weismachen wollen.

Kommentare:

  1. Also in THE TREE OF LIFE geht um sehr viel - und schließlich doch wieder um genau das gleiche Thema, um das alle Malick-Filme kreisen: Um die Beziehung des Menschens mit seiner Umgebung und Umwelt. Da lässt sich eigentlich ein ziemlich deutlicher roter Faden durch alle Filme ziehen. Malicks Materialismus kommt in seinem neusten Werk besonders gut zu tragen, finde ich ja!

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  2. Das mit dem mitfühlenden Dino ist sehr schön beobachtet, ich wäre allerdings nicht sicher, ob das gleich gegen eine christliche Weltsicht spricht. Keine Ahnung, ehrlich gesagt.

    Selbstverständlich muß man immer zwischen Ansichten der Figuren und jenen des Filmemachers trennen. Doch das Bild der schwebenden Mutter(!) hast du verschwiegen. ;) Das ist doch eher aus einer über-subjektiven Perspektive gezeigt, findest du nicht?

    Ansonsten spricht es natürlich für Malick und den Film, dass er zu solch schönen Reflexionen anregen kann, nur sind diese ganzen Universumsphilosophien (die auch du ausführst) auch schon älter als Malick selbst.. ;) Was nicht heißt, dass es nicht immer wieder spannend ist, sich darüber Gedanken zu machen, klar.

    Der Film selbst hat mich jedenfalls anscheinend nicht so geflasht wie dich. :)

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