26. Februar 2011

Alamar (Pedro González-Rubio) 8,54




Eine Italienerin und ein von einer kleinen Insel stammender Mexikaner zeugen einen Sohn. Als der ca. 5 Jahre alt ist, kommt es zur Trennung der Eltern (all das erfahren wir in einer schönen, ungewöhnlichen Montage zu Beginn). Der Kleine soll nun erstmal mit dem Vater Zeit verbringen, wo dieser aufgewachsen ist (a la mar = ans/auf das/zum Meer) und dort nicht nur das Hochseetauchen und Fischen von seinem Vater gelernt hat, sondern auch einfach, stressfrei und mit der Natur in gemütlichem Einklang zu leben.

Was auf dem (äh) Papier nach etwas zu harmloser Naturverbundenheit klingt, stellt sich zwar in gewisser Weise auch genau so dar, doch die halbdokumentarischen Aufnahmen auf dem Meer (oder mit dem wilden Vogel in der Hütte!) rauben einem oft den Atem, der Film ist auf eine unheimlich charmante Art friedlich, liebevoll und bezaubernd, ohne dass es naiv und peinlich anmutet. Sicher ist es auch ein Projekt (wie dann auch im Abspann steht), das ein gefährdetes Gebiet ins schöne Licht rücken will, doch die Natürlichkeit des Fischfangs, des „einfachen“ Lebens und das gleichzeitige Erzählen einer universellen, melancholischen, wunderschönen Vater-Sohn-Geschichte über die Momente des Glücks mit gleichzeitigem Wissen über die Vergänglichkeit (mit tollem, weltoffenen, progressiven Ende anstatt einer reaktionären „Das Leben hier ist doch so toll“ Botschaft!) begeistern mit Fortdauer des ohnehin recht kurzen Films immer mehr: ein authentisches kleines „Kino von einem anderen Ende der Welt“-Highlight.

Kommentare:

  1. Abgesehen davon, dass ich ohnehin eine Schwäche für das Filmland Mexiko habe (auch Iñárritu drehte dort mit "Amores Perros" sein bislang bestes Werk und sollte sich auf seine Wurzeln zurückbesinnen): Du machst hier auf ein grandioses kleines Werk aufmerksam, das deine Benotung mehr als verdient. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Danke!

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  2. Danke auch! :)

    Das ist doch das Schönste, oder? Wenn man von einem Film so richtig begeistert ist (was sich erst im Laufe des Ansehens herausgestellt hat), drauf aufmerksam machen kann und es (im Falle eines noch recht unbekannten Werks) Leute gibt, die das auch so sehen.

    Zu Iñárritu: kann das so spontan nicht ganz unterschreiben, so kraftvoll Amores Perros auch ist, die Folgefilme finde ich auf andere Weise genauso toll. Wurzelbesinnung ist mir nicht unbedingt lieber als Fortschritt und hinaus gehen. Aber selbstverständlich wäre ein weiterer "mexikanischer" Film von ihm auch wieder mal interessant.

    Schönen Sonntag wünsch ich, keep up the good work bei euch drüben. ;)

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  3. Zu "Amores Perros" habe ich natürlich eine grosse emotionale Beziehung (die berühmten Umstände, unter denen man sich einen Film anschaut). Vielleicht bespreche ich ihn gelegentlich; dürfte aber ein Weilchen dauern, weil ich manchmal den schrecklichen Eindruck habe, mein Programm für die nächsten sieben Jahre stehe fest. ;)

    Auch dir einen schönen Sonntag! Ich schätze deinen Blog und die Auswahl der Filme sehr.

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